So hieß die Kulturführung des Konventikels Wiener Weinberge am 18.7.2026 in der Wiener Innenstadt. Zum wiederholten Male sorgte Mag. Sophie-Marie Iontcheva für einen unterhaltsamen Spaziergang, diesmal in die erotische Welt der Habsburger. 21 Personen lauschten den pikanten Ausführungen, die sich auf Bücher, Briefe und Tagebücher stützten, und die interessante und teilweise unbekannte Details bekannt gaben.

Beginnend am Michaelerplatz vor der Hofburg, der Habsburger-Residenz, wo sich bis 2017 das Cafe Griensteidl befunden hat. In diesem "Literatencafe" wurde innerhalb kürzester Zeit bekannt, was sich gegenüber am Wiener Hof so abspielte. Die Habsburger waren der Mittelpunkt der Wiener Gesellschaft, aber es waren auch allesamt Menschen wie wir - mit ganz normalen Wünschen und auch erotischen Sehnsüchten. "Eine Liebesheirat blieb den meisten von ihnen verwehrt - manche haben aufbegehrt und sich von der Familie losgesagt, andere liebten im Verborgenen und versuchten ihr privates Glück unbemerkt zu stehlen," so Sophie-Marie. Doch das hat immer wieder auch Spuren hinterlassen, wie etwa bei der alten Wiener Hofapotheke in der Stallburg.

So wurde hier ein Rezept für Kronprinz Rudolf gefunden, und zwar für ein Mediakemt mit Quecksilber, das man damals zur Behandlung der Syphilis verwendet hat. "Es ist natürlich lediglich ein Indiz und es ist nicht klar, ob der Kronprinz tatsächlich diese Geschlechtskrankheit hatte", meint Sophie-Marie. "Allerdings deutet sehr viel darauf hin." Noch interessanter ist jedoch ein Rezept für Kaiserin Sisi zur Behandlung der Geschlechtskrankheit Gonnorhoe oder Tripper. "Wo mag sie sich damit angesteckt haben? Denn ein Rezept für Kaiser Franz Josef wurde nicht gefunden. Es gab allerdings Gerüchte über eine erotische Beziehung von Sisi zum ungarischen Graf Gyula Andrassy, auf dessen Schloss sie auch einmal übernachtet hat. Als dessen Frau abwesend war. Das war damals ein ziemlicher Skandal", erzählt Sophie-Marie.

Lustig ging es auch während des Wiener Kongresses von 1814/1815 in Wien zu, wo in den Räumlichkeiten des heutigen Bundeskanzlermates getagt wurde. "Der damalige Kanzler Metternich hat einige seiner ehemaligen Geliebten auf die hohen Herren angesetzt, um so Informationen zu bekommen. Wie etwa die Balett-Tänzerin Emilia Bigottini, die schwanger wurde und gleich von drei Fürsten Alimentszahlungen bekam."

Oder Fürstin Katharina Pawlowna Bagration, eigentlich Katharina Pawlowna Skawronskaja, eine angeblich aus Russland vertriebene Adelige, die das gehobene Gesellschaftsleben in Wien gehörig durcheinanderbrachte. "Diesmal funktionierte die erotische Waffe gegen Metternich, denn sie hatte bereits 1803, als dieser Kaiserlich- Königlicher Gesandter in Sachsen war, ein Verhältnis, das mit der Geburt ihrer Tochter Marie-Clementine Bagration und dem Rückruf Metternichs nach Wien unterbrochen wurde. Nicht zufällig hat sie der russische Zar dann zum Wiener Kongress entsandt, um den mächtigsten Mann Europas, Clemens Lothar Wenzel Fürst von Metternich, durch ihre aufreizenden Kleider, ihr Gehabe und ihr provokantes Lächeln zu reizen - und ihm Geheimnisse zu entlocken."

Und so gab es noch viele weitere Geschichten zu erfahren, wie etwa jene über Erzherzogin Sophie, deren erstgeborene Bugen Franz Josef und Maximilian wohl eher dem Herzog von Reichstadt, dem Sohn Napoleons, als ihrem Mann Erzherzog Franz Karl ähnelten. Zumal die kinderlos gebliebene Habsburgerehe erst nach einer Kur in Bad Ischl, wo auch der Herzog von Reichstadt weilte, fruchtbar wurde. Oder über Franz Josefs Seitensprünge mit Duldung seiner Frau Sisi. "Zuerst 13 Jahre lang mit der Bürgerlichen Anna Nahowski, die die gemeinsame Tochter Helene zur Welt brachte, wie wir aus ihren Tagebuchaufzeichnungen wissen. Und danach ab 1885 mit der Burgschauspielerin Katharina Schratt, die auch mit der Kaiserin eng befreundet war." Nach zwei Stunden ging am Josefsplatz dieser heiter-pikante Wiener Spaziergang durch die erotische Welt der Habsburger zu Ende.
Text und Fotos: Christian Stöger
