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Zu einer außergewöhnlichen Tafelrunde lud das Konventikel Eins am 10.6.2026 ins Refetterio des Innenstadtlokals "Il Cavalluccio". "Berglandweine" standen am Verkostungsprogramm, und damit sind Weine aus der mit 240 ha kleinsten Weinbauregion Bergland gemeint, die die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und Oberösterreich umfasst. Die 16 Teilnehmer/innen fanden die Verkostung als eine der abwechlungsreichsten und durchaus interessantesten und bewerteten den Großteil der Weine sehr positiv mit gutem Preis/Leistungsverhältnis.

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Die Weinbauregion Bergland ist die mit Abstand kleinste der drei großen Weinbauregionen in Österreich (neben Weinland und Steirerland). Sie ist kein zusammenhängendes Gebiet, sondern fasst die Rebflächen von insgesamt fünf Bundesländern und erlebt sie seit einigen Jahren einen echten Aufschwung – getrieben durch den Klimawandel und extrem engagierte Winzer.

Die Weinverkostung durch die westlichsten Bundesländer begann mit einem Schaumwein aus der Stadt Salzburg. Mitten in der Stadt, am Südhang des Mönchsbergs, wächst ein überraschend feiner Schaumwein heran, der Mönchsberg Sparkling, gekeltert aus der Rebsorte Concord - eine amerikanische Hybridrebe (auch als Direktträger bekannt). Das Projekt wurde von der Salzburger Familie Sturm ins Leben gerufen, die dort rund 2.000 Weinstöcke pflegt. ​Die Ernte und Pflege erfolgt komplett in Salzburg. Für die Kelterung und die Veredlung zum Sparkling-Wein arbeitet die Familie mit dem renommierten steirischen Weingut Muster zusammen.

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Danach folgte ein Demeter Grüner Veltliner vom Weingut Armin Kienesberger aus Schlüsselsberg in Oberösterreich. Seine Begeisterung ist es, ein Weingut in einer Größe zu betreiben, bei dem es möglich ist jeden Arbeitsschritt selbst zu gestalten, Es geht ihm nicht darum, schnell viele und langweilige Weine zu erzeugen, er will lebendige Weine, die Geschichten erzählen und Emotionen transportieren und seine Handschrift tragen. Dabei begleitet ihn eine Grundeinstellung, die gleichzeitig die Philosophie und das Fundament des Weingutes ist: SLOW MADE, LOW TEC, HAND MADE. In einer Zeit, in der Lebensmittel immer rationeller und maschineller erzeugt werden, versucht er den Faktor Mensch bewusst zurückzuholen. So entstehen besondere Weine, die alle Facetten von Terroir und den Menschen dahinter widerspiegeln. Seit Anbeginn seiner Reise in die Landwirtschaft bewirtschaftet er seine Flächen nach biodynamischen Richtlinien. Der Betrieb ist seit 2018 Bio und Demeter zertifiziert.

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Vom selben Weingut verkosteten wir dann noch einen Pinot Blanc, der leichte Noten von Brettanomyces aufwies und einen Pinot Noir, der auch eher negativ bewertet wurde.

Weiter ging es mit einem Weißburgunder vom Weingut Lenzbauer in Wolfsberg, Kärnten.Das Weingut wurde 2005 als eines der ersten Pionierprojekte des modernen Kärntner Weinbaus gegründet und wird heute von Gabriele Sudy und Walter Unterweger geführt. Auf den humusreichen Schieferböden der Ried Vogelherd werden charakterstarke Weißweine, Orange Wines und Schaumweine (vom PetNat bis zum Sekt) produziert. Die Winzerin selbst ließ uns per Sprachnachricht eine sehr persönliche Beschreibung ihrer Philosophie zukommen. Wir verkosteten einen Weißburgunder MACHO (mit einem sexy Etikett) und einen leicht rosafarbenen Grauburgunder DIVA.

Es folgte ein gemischter Satz vom Weingut Schiefermair aus Kematen an der Krems in Oberösterreich. Der Familienbetrieb gilt als Pionier des oberösterreichischen Weinbaus und bewirtschaftet dort Weingärten in einer Region, die historisch schon vor Jahrhunderten für Weinbau bekannt war.

Dann ging es ganz in den Westen nach Vorarlberg. Das Weingut Weinbau Gohm (geführt von Dietmar Gohm) befindet sich in der Gemeinde Düns im Vorarlberger Walgau. Als Mitglied der Walgau Winzer widmet sich der Betrieb dem Weinbau in dieser traditionsreichen Alpentalschaft. Seine Weine sind im wahrsten Sinne handgemacht, angefangen vom Pflanzen der Reben über die Arbeit im Weinberg bis zum Etikettieren der Flaschen. Er betreibt den Weinbau  im kleinen Stil und hobbymässig. Daraus ist auch die Vielfalt unterschiedlicher Weinsorten entstanden. Er will im Keller eine Auswahl an Weinen anbieten können die Spannung für eine Weinverkostung garantiert.

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Die beiden verkosteten Chardonnays (beide vom Ried Pfarrhofbüchel - einer klassisch, der andere im Holz ausgebaut) wurden eher negativ bewertet, erster hatte Anklänge eines Böchsers.

Zurück nach Kärnten, zum Weinhof Vulgo Ritter aus dem Lavanttal. Dieser Wein zeigte eindrucksvoll, welch hohe Qualität abseits der klassischen Weinbau-Bundesländer entstehen kann. Die Winzerin ist Sabine David, eine Quereinsteigerin, ursprünglich Wirtschaftsingenieurin im Maschinenbau, sie bewirtschaftet ca. 2 ha in Handarbeit mit nachhaltiger Bewirtschaftung. Wir verkosteten einen Sauvignon Blanc 2020 vom Ried Steinbruch mit ausgezeichneter Bewertung.

Wir blieben in Kärnten beim Weingut Trippel aus Feldkirchen. Es gehört zu den absoluten Pionieren und profiliertesten Leitbetrieben des modernen Kärntner Weinbaus und bewirtschaftet 7 ha. Nikolaus „Niki“ Trippel hat hier ein Gesamterlebnis aus Weinbau, gehobener Kulinarik und Design-Hotellerie geschaffen. Niki Trippel gilt in der Weinszene als Querdenker und Perfektionist. Die Reben wachsen hier auf mineralischen Schiefer-, Urgesteins- und Lehmböden. Das Klima rund um die Kärntner Seen bietet warme Tage und kühle Nächte – ideal für eine langsame Traubenreife und eine animierende Säurestruktur.

​Im Keller wird extrem sauber und präzise gearbeitet. Viele Weine erhalten ein langes Hefelager und reifen in Holzfässern (teilweise Kärntner Eiche), was ihnen enorme Struktur, Tiefe und Lagerfähigkeit verleiht. Die Weine sind alles andere als Mainstream; sie spiegeln das kühle, alpine Terroir wider. Wir verkosteten einen Sauvignon Blanc aus dem Jahr 2024.

Nochmals in die Stadt Salzburg mit einer echten Rarität: Hinter den Begriffen Pfadfinder, Wein und Mönchsberg in Salzburg verbirgt sich ein einzigartiges, historisches Weinbauprojekt: ​Der Wein: „Paris Lodron Zwinger“. ​Bereits um 1650 ließ der Salzburger Erzbischof Paris Lodron im Befestigungszwinger auf dem Mönchsberg (nahe der Richterhöhe) Wein anbauen.

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Nach Jahrhunderten des Brachliegens haben die Salzburger Pfadfinder (eine engagierte Gruppe von Senioren/Gildepfadfindern) das historische, terrassierte Gelände im Jahr 2007 revitalisiert. ​Es wurden über 500 Rebstöcke der traditionsreichen Sorte Frühroter Veltliner (historisch auch als Malvasier bekannt) ausgepflanzt. Die Trauben werden in Handarbeit von den Pfadfindern gepflegt und geerntet und anschließend von renommierten Partner-Winzern (wie dem Weingut Tegernseerhof in der Wachau oder Hermann Moser im Kremstal) fachmännisch gekeltert. Von den 2000 gekelterten Flaschen konnten wir aus dem Jahr 2024 die 237ste verkosten. Der Verkaufspreis von 39€ ist dem Gesetz von Angebot und Nachfrage geschuldet.

Dann ging es nach Nordtirol: Das Weingut Zoller-Saumwald in Haiming/Tirol ist einer der absoluten Pioniere und Spitzenbetriebe des Nordtiroler Weinbaus. Gegründet wurde der Betrieb von Peter Zoller und Elisabeth Saumwald. ​Was als mutiges Experiment im Jahr 1997 begann, hat sich zu einer echten Tiroler Erfolgsgeschichte entwickelt: Bei der Landesprämierung „Prämierter Tiroler Wein 2025“ räumte das Weingut kräftig ab und stellte gleich mehrere Landessieger.

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​​Weinbau in Nordtirol ist aufgrund des alpinen Klimas eine Seltenheit und eine echte Herausforderung. Die Reben in Haiming profitieren jedoch von einer geschützten Lage im Oberinntal: Das umliegende Bergmassiv hält kalte Nordwinde ab und wirkt im Sommer wie ein Wärmespeicher, der den Trauben zu einer erstaunlich hohen Reife verhilft. Die Weine sind seit 2007 offiziell als Qualitätsweine eingestuft. Auf einer Fläche von rund 1,5 bis 1,7 Hektar werden vor allem klassische Rebsorten angebaut. Wir verkosteten eine Cuvée von WB, Ch und SB "Passion", zwei reinsortige Chardonnay (jeweils 2024) und einen Pinot Noir 2020, Urteil: gut bis sehr gut.

.... und noch 2x Kärnten:

Das Weingut Burg Taggenbrunn befindet sich in Sankt Georgen am Längsee nahe Sankt Veit an der Glan in Kärnten. ​Das imposante Anwesen rund um die historische Burg Taggenbrunn wurde von der Unternehmerfamilie Riedl revitalisiert und gilt mit rund 40 bis 45 Hektar Rebfläche als eines der größten und bekanntesten Weingüter Kärntens. Unter der Leitung von Winzermeister Hubert Vittori werden auf den dortigen Schieferböden in sonnigen Süd- und Südwestlagen charakterstarke Weißweine (wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Grauburgunder), Rotweine (Pinot Noir, Zweigelt) sowie hochwertige Sekte produziert.

​Zum Weingut gehören neben den modernen Produktionsanlagen auch ein hoteleigenes Heurigen- und Burgrestaurant sowie eine luxuriöse Weinresidenz mit Übernachtungsmöglichkeiten und im Weinberg Skulpturen von André Heller. Verkostet wurde Chardonnay Reserve 2015, Salonsieger 2020

Der letzte hier beschriebene Wein kommt vom Weingut Sternberg (geführt von Dr. Georg Lexer und seiner Familie). Es liegt am geschichtsträchtigen Sternberg in der Gemeinde Wernberg, unweit von Velden am Wörthersee in Kärnten.

​Die Weinlinie „Terra Montis“ (lateinisch für Erde des Berges) ist das Herzstück des Gutes. Der Begriff „Nuda“ (die Nackte / die Unverfälschte) bezeichnet innerhalb dieser Linie die kompromisslosen, naturbelassenen Naturweine (Natural Wines) des Weinguts. ​Die NUDA-Weine stehen für das absolute Minimum an technologischem Eingriff im Keller. Die Philosophie lautet: Der Wein soll ungeschminkt und pur das Terroir des Sternbergs widerspiegeln. Die NUDA-Weine (meist Weißweine wie Pinot Gris/Grauburgunder oder Traminer) werden wie Rotwein auf der Maische vergoren. Dadurch extrahiert der Wein Gerbstoffe (Tannine) und Farbstoffe aus den Traubenhäuten. Das Ergebnis ist ein sogenannter Orange Wine mit einer tiefen, bernstein- bis kupferfarbenen Optik. Es werden keine Reinzuchthefen zugesetzt. Die Gärung startet rein mit den weineigenen Wildhefen. Die Weine werden weder filtriert noch geschönt und meist komplett ohne Zusatz von Schwefel (Sulfiten) abgefüllt. Das macht sie mikrobiologisch lebendig und extrem langlebig, da die Gerbstoffe aus der Maische als natürlicher Schutz dienen.

​Wer einen klassischen, fruchtigen Kärntner Weißwein erwartet, wird von der NUDA-Reihe überrascht. Diese Weine sind ein völlig eigenständiges Erlebnis: ​Optik: Kräftiges Orange, Kupfer, oft leicht naturtrüb. ​Duft: Komplex und tief – getrocknete Kräuter, Orangenschalen, reife Quitten, Dörrobst und feine Hefenoten. ​Geschmack: Am Gaumen sehr trocken, packend, mit spürbarem Gerbstoff (Grip) wie bei einem Rotwein, gestützt von einer feinen Säurestruktur und enormer Länge.

​​Der Sternberg ist eine markante Erhebung mit ganz besonderen geologischen Bedingungen. Die Reben wachsen hier auf kalkhaltigen, sandigen Lehmböden, die mit eiszeitlichem Geschiebe und Urgestein durchsetzt sind. Dieses Terroir verleiht den Weinen – gepaart mit dem fast mediterranen Mikroklima der Kärntner Seenregion – eine ausgeprägte salzige Mineralität und Struktur, die sich in den NUDA-Weinen besonders intensiv zeigt.

Eine vinophile Reise, die eine nahezu völlig unbekannte Weinregion näher brachte - mit unterschiedlichen Ergebnissen. 

Text und Fotos: Prior Klaus Leitner

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