Am 6. Mai 2026 wurden die Teilnehmer des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums in der Weinbauschule in ein völlig neues, für fast alle unbekanntes "Wein-Universum" entführt. HR Prof Dipl.-Ing. Dr. Manfred Gössinger, Lehrer an der Schule, ist der "Papst" der Obstverarbeitung, der gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium auch das neue Weingesetz mitgestaltet. In einem sehr persönlich gehaltenen, kurzweiligen und mit immerhin 24 Verkostungsbeispielen ergänzten Vortrag, präsentierte er praxisnah die Fakten.

Als "Weinritter" gingen wir insofern fremd, als der alleinige Begriff "Wein" lt. Gesetz nur für Traubenwein gilt, wir beschäftigten uns also mit Obstwein oder Most lt. der Obstweinverordnung von 2018. (Übrigens ein Gesetz wird vom Parlament beschlossen, eine Verordnung kann ein Minister erlassen).

Das erste schriftliche Lob für Obstwein stammt schon aus dem Jahr 1240 vom Minnesänger Neidhart von Reunenthal. Nach einer wechselhaften Geschichte ist seit dem Beginn der 1990er Jahre die Mostgalerie im Stift Ardagger in OÖ bekannt für die Auswahl und Verkostung hochwertiger Moste, Fruchtsäfte, Liköre und Edelbrände aus regionalen Streuobstbauern.
Obstwein herzustellen ist weitaus schwiergiger als Wein, allein schon wegen des geringeren Alkoholgehalts (er liegt typischerweise bei 5% bis 9%) und des höheren PH Wertes. Dies bedingt höhere mikrobiologische Aktivitäten, die den Obstwein nicht stabil halten.
Man unterscheidet vier Obstartengruppen:
* Kernobstwein: Apfel, Birne, Quitte
* Steinobstwein: Kirsche, Marille, Nektarine, Pfirsich, Weichsel, Zwetschke
* Beerenobstweim: Brombeere, Heidelbeere, Himbeere, Holunder, schwarze- rote- weiße Ribisl, Stachelbeere
* sonstige Obstsorten

In Österreich gibt es ca. 50.000 ha Streuobstanlagen in
* NÖ, Mostviertel als größtes geschlossenes Birnbaumgebiet Europas
* STMK: Äpfel
* OÖ: Äpfel
* K: Äpfel
* B: 200.000 Streuobstbäume im Süden.
Folgende Qualitätsstufen sind in der Verordnung definiert:
* "Österreich"
* Angabe eines Bundeslandes
* Qualitätsobstwein mit Prüfnummer (mit Bundesadler am Schraubverschluss)
* Qualtätsobstwein mit gU oder ggA (geschützte Ursprungsbezeichnung)
Die verkosteten Weine waren fast alle Qualitätsobstweine und sind ab Hof um "Teenagerpreise" erhältlich, kosteten also zwischen € 10,00 und € 20,00.
Die Verkostung begann mit zwei alkoholfreien Beispielen vom Weingut Seppelbauer NÖ:
* Baron Bion Birnenmost 2026
* Baron Frizz Birnenfrizzante 2026

Zider ist ein Gemenge von Fruchtsaft mit Obstwein derselben Obstartgruppe und einem Kohlensäureüberdruck von höchstens 2,5 bar. Verkostet auch von Seppelbauer:
* Birnencider 2025
Es folgten zwei Apfelmoste von Seppelbauer aus den Apfelsorten
* Florina
* Summerred
aus der Weinbauschule KNB
* Canada Renette
von Glanz-Pöltl Stmk
* Jonathan
von Mausser Stmk
* Topaz
* Braeburn
* Schafnase

Gut gekühlt eignen sich diese "Weine" hervorragend als "Terassengetränke" an heißen Sommertagen. Die Weine von Mausser sind kaum als Obstweine zu erkennen, klarer, reiner, weiniger Geruch und Geschmack.
Der nächste Obstwein war ein Rosé aus einer Apfelsorte mit rotem Fruchtfleisch von Pöltl:
* RedLove
Es folgte vom Weingut Köstinger aus Kärnten:
* Schweizer Orange 2024
und von Sorger, auch Kärnten:
* Lavantaler Banane 2024
Nach einem Stadtmost (Mischling aus Apfel und Birne) kamen wir zu den Birnenmosten:
Wieder Seppelbauer NÖ:
* Rosenhofbirnenmost
* Speckbirnenmost
* Grünpichlbirnenmost
Das Weingut Lackner OÖ baut letzteren sogar im Barrique aus, was bei den Teilnehmern sehr gut ankam.
Neben Sandwiches und Jourbrötchen gab es auch Petits Fours, und so kamen wir zu den Süßobstweinen:
* Eismost mit 168 g/l Restzucker
und vom Weingut Allacher aus dem Burgenland
* Erdbeerwein
* Pfirsichwein
* Ribislwein
* Schwarze Ribislwein

Am Ende war dann die Flaschenkolonne schon sehr eindrucksvoll und wir bedanken uns bei Manfred Gössinger und allen Teilnehmern für ein völlig neuartiges Weinfeeling!
Text: Klaus Leitner
Fotos: Jürgen Feigl und Klaus Leitner
