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Nach 2017 waren wieder 20 Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums auf mehrtägiger Weinreise in der südlichen Steiermark unterwegs. Auf der von Poldi Holzhacker und Engelbert Kitzler perfekt organisierten Reise wurden bekannte Weingüter im Vulkanland und in der Südsteiermark besucht: Frauwallner und Neumeister in Straden, Frühwirth in Klöch, Gross in Ehrenhausen, Erwin Sabathi in Leutschach und Lackner-Tinnacher in Gamlitz.

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Los ging die kleine "Tour de Vin" im Gamlitzer Weinlandhof, wo nach individueller Anreise beim Abendmenü Stefan Schauer aus Kitzeck seine Weine präsentierte. Der 35ha-Biobetrieb produziert jährlich 170-180.000 Flaschen, darunter auch einen exquisiten "Tea Royal" in der Champagnerflasche. Mit grünem Tee aus Japan, Apfelschalen, Hollunder, Lavendel, Traubenkernen und -schalen und mit Kohlensäure versetzt ein wohlschmeckendes, frisches Getränk. "Als Alternative zu alkoholfreiem Wein", wie Stefan Schauer betont.  

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Am nächsten Tag, Freitag, 17. April, ging's mit einem Kleinbus in den Osten der Steiermark, nach Straden, zum

Weingut Frauwallner

Vor 50 Jahren pflanzten Emmi und Willi Frauwallner in der Ried Buch den ersten Weingarten auf 0,45 ha aus, vor 25 Jahren übernahm Walter Frauwallner und bewirtschaftet heute 30 ha in den besten Lagen von Straden. 13 Weine standen hier zur Verkostung, Vom Blanc de Blances 2021 (Morillon und Weißburgunder) über einen frischen Welschriesling 2025 und einen würzig-fruchtigen Weißburgunder 2025 zur Paradesorte der Steiermark, dem Sauvignon Blanc.

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Der Ortswein Straden frisch mit Paprika-Aromen, die Ried Rosenberg 1.STK (Rebstöcke mind. 12 Jahre, Ertragslimit 4.500 l/ha, Reife mind. 11 Monate, Marktpräsenz mind. 5 Jahre) dicht und saftig, die Ried Buch 2020 GrSTK (Rebstöcke mind. 15 Jahre, Ertragslimit 4.500 l/ha, Reife mind. 18 Monate, Marktpräsenz mind. 10 Jahre) und Ried Buch 2019 dicht und vollmundig bis hin zum Sauvignon Blanc Privat 2019, gekeltert aus den besten Trauben und ein wahrer Genuß. Ergänzt wurde die Verkostung durch Grauburgunder Straden 2023 und Rosenberg 2023 (12 Monate im kleinen Holz) sowie Morillon Straden 2024 und Ried Buch 2022 (12 Monate franz. Eiche) und zum Abschluss einer Traminer TBA 2023. 

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Nach dem Mittagessen im Gastgarten des urigen Bulldogwirts, der ein einzigartiges Sammelsurium an alten und altertümlichen Gegenständen, von Traktoren, Motorrädern über Küchengeräte bis hin zu alten Grabkreuzen auf seinem weitläufigen Gelände ausstellt, ging es zum nächsten Weingut.

Weingut Neumeister

Christoph Neumeister erläuterte bei einer Kellerführung den 1998 über drei Etagen in den Hang gebauten Betrieb. "Wir versuchen, so umweltbewusst und schonend wie nur möglich mit den Trauben umzugehen. Wir pressen mit 0,8 Bar, sind seit 2013 Bio zertifiziert und arbeiten ohne Schönung und ohne irgendwelcher Zutaten."  

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Zu verkosten gab es Weine der Ried Klausen (65% Steigung, 1.STK) wie den Weißburgunder 2023 mit 20 Monaten Fassreife, der Ried Saziani (2 ha Südlage, 50% der Reben über 50 Jahre alt, Höhenlage bis 380m, GSTK) wie die beiden Grauburgunder 2022 und 2017 sowie der Top-Riede Moarfeitl (2,2 ha Schotterplateau, 1990 gepflanzt, GSTK). 

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Jeweils vier Weine der Ried Moarfeitl wurden verkostet, und los ging's mit dem Morillon 2023, einem kühlen Jahrgang mit wenig Ertrag. Danach der Jg. 2020: kräftig, dicht, extraktreich. Jg. 2018: ein warmer Jahrgang, straff und dicht, und schließlich Jg. 2015: vollmundig, füllig, mineralisch.  

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Es folgten Sauvignon Blanc Ried Moarfeitl 2023, 2020, 2019 und 2017, konzentrierte, vollmundige Weine, die die Bandbreite dieser Sorte sowie die Entwicklung über die Jahre unter Beweis stellte. Erwähnenswert auch der professionelle Vortrag von Christoph Neumeister im Verkostensraum aus tausenden Weinflaschen. Ein Erlebnis für Auge und Gaumen! 

Von Straden ging's dann weiter nach Klöch, in die Heimat des Traminers, zum

Weingut Frühwirth

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Fritz und Lisa Frühwirth bewirtschaften 15 ha, Sohn Nikki absolviert die Weinbauschule und hilft bereits aus, während Sohn Max derzeit in Australien vinophile Erfahrungen sammelt. "Die Basaltböden mit Ascheplateau hier in Klöch sind ideal für den Traminer", so Fritz Frühwirth. "200 ha Rebfläche haben wir in Klöch, davon 25% Traminer. Bei uns ist der Anteil sogar 30%." 

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Nach Morillon Klöch Ortswein 2024 und 2023 sowie dem Morillon "Koasasteffl" von der Ried Rosenberg 2022 (1.STK, 18 Monate im Holz) wurden dann die Traminer eingeschenkt. Zuerst der "Basalt" 2025, Traminer Hoch3 (40% Gelber Traminer, 30% Roter Traminer, 30% Gewürztraminer) mit 13,5 Vol%, 6,5 gRZ und 5,3 gS, fruchtig, mit deutlichen Gewürznoten.

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Danach der Gelbe Traminer Ried Hochwarth 2021 (18 Monate gr. und kl. Holz), 13,5 Vol%, 3 gRZ, 5 gS und der GT 2019 halbtrocken mit 12 gRZ, der Landessieger 2020, sehr reif, mit exotischen Aromen. Die Gewürztraminer Auslese 2011 bildete mit 30 gRZ den lieblich-fruchtigen Abschluss des Tages.

Samstag, den 18. April 2026 wurden einige Winzer entlang der Südsteirischen Weinstraße besucht. Den Anfang machte dabei in Enrenhausen das 

Weingut Gross

Hier empfing uns Thomas Schabl, Weinakademiker und Lektor an der Weinakademie, der durch eine Topverkostung von 14 Weinen (!) führte. Das Gut gibt es seit dem 16. Jahrhundert am Nussberg, 1907 hat Heinrich Gross der Grundstein zur späteren Winzerfamilie gelegt. Im Laufe von fünf Generationen ist eines der Spitzenweingüter der Südsteiermark entstanden. Heute bewirtschaftet Johannes Gross 33 ha, wobei jede Parzelle extra gelesen und jedes Fass individuell ausgebaut wird.

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Neben dem Weißburgunder stellt Sauvignon Blanc die "trinkbare Visitenkarte" des Weinguts dar und bildet auch den Hauptanteil der professionell und emotional mitreißenden Verkostung. Gleich zu Beginn eine Offenbarung: nach dem Sauvignon Gebietswein DAC 2023 der sensationell gereifte, dennoch frisch-fruchtige Gebietswein DAC 2013!

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Es folgten SB Gamlitz 2024 und SB Ehrenhausen 2023, bevor es mit Weißburgunder weiter ging. WB Ehrenhausen 2024 mit mehr als 50 Jahre alten Reben, 14 Monate im Fass ist dies "eigentlich ein Pinot Noir in Weiß", wie Schabl erläutert. WB Bärenburg 2020 war der erste Weißburgunder dieser Lage, 38 Monate auf der Hefe mit sehr feiner Stilistik, getoppt vom WB Bärenburg 2021, "einem der besten Jahrgänge" mit 44 Monaten auf der Hefe. Die gleiche Reifezeit hatte der WB Nussberg Stauder 2021 GSTK, laut Falstaff der beste Weißburgunder Österreichs. Auch der Morillon Nussberg Preschnigg 2021 GSTK reihte sich dann in diese Abfolge großer Burgunderweine ein.

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Zum großen Finale dann die Top-Sauvignons Nussberg 2021, "der beste SB Österreichs und vielleicht Europas mit 14 Vol%, 7,3 gS und 1 gRZ". Aus den ältesten Reben der Toplagen, wobei die Beeren der Trauben per Hand selektiert und in einer kleinen Holzpresse gespresst werden, stammt der SB Privat. Der Jg. 2019 war 46 Monate auf der Hefe, zeigte sich dicht und unglaublich lang. Der Jg. 2021 versprach noch weitere viele Jahre großes Trinkvergnügen. Ebenfalls viele Jahre Trinkvergnügen zeigte der Gelbe Muskateller Ried Perz 2021 1.STK, der den krönenden Abschluss dieser Verkostung bildete.

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Seit 2004 im neuen Keller und Verkostungsgebäude ist unser nächstes Weingut in Leutschach:

Weingut Erwin Sabathi

54 ha werden selbst bewirtschaftet, davon 30 ha in der Toplage am Pössnitzberg. 30 ha werden zugekauft. Seit 2019 Bio zertifiziert, kümmert sich Erwin um den Wein, Bruder Christoph um das Marketing, der auch die Verkostung der Weinritter durchführte und uns zwei sensationelle Jahrgangsvertikalen bot.

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Nach dem Gelben Muskateller 2024 Ried Krepskogel 1.STK, einer Subriede am Pössnitzberg, ging es an die Sauvignon Blanc Rieden-Verkostung. Ried Poharnig (1.STK) 2024 folgte Ried Pössnitzberg (GSTK) 2023 und Pössnitzberg Alte Reben 2022, von 70 Jahre alten Reben. Getoppt nur noch vom SB Ried Pössnitzberg Kapelle 2022, einer kleinen, 2015 gepachteten Parzelle mit Steinboden. Waren die Sauvignons durchwegs fruchtig, dicht, elegant und lang, so verstand es die Kapelle, geschmacklich noch einen drauf zu setzen. 

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Nach der Riedenverkostung ging es dann beim Chardonnay (der bewusst hier nicht Morillon genannt wird) um eine Jahrgangsvertikale. "2009 haben wir hier auf Qualität umgestellt und machen heute einen der besten Chardonnays der Steiermark", ist sich Christoph Sabathi sicher. Das zeigte sich bereits beim CH Ried Pössnitzberg Alte Reben 2022, setzte sich beim Jahrgang 2021 und 2020 fort, die sich noch opulenter und reifer im Glas zeigten. "2019 war ein tolles Jahr und es wurde ein sensationeller Wein."  Der Jahrgang 2018 zeigte sich etwas schlanker, aber 2017 war wieder ein großes Jahr mit einem dichten, unglaublichem Wein. 2016, ein Jahrgang mit wenig Ertrag und kleinen Beeren, zeigte sich neuerlich etwas schlanker, fast noch jugendlich. Der gleiche Wein, die gleiche Riede, 7 Jahre. Sensationell.

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Zum Abschluss gab's noch den Chardonnay Kapelle I 2022, der das ganze Potential dieses Weins erahnen ließ. Bevor es zur letzten Station der Reise ging.

Weingut Lackner-Tinnacher

130.000 Rebstöcke werden hier rund um Gamlitz auf 30 ha biologisch bewirtschaftet. Katharina Tinnacher führt das Weingut mittlerweile in 4. Generation und ist bemüht, regionaltypische Weine zu erzeugen. "Wir haben hier 1.200 mm Niederschlag im Jahr, den meisten in einem Weinbaugebiet in ganz Europa", erzählt sie. Eine Herausforderung, die man auch in den schlanken, fruchtigen aber säurebetonten Weinen erkennt. 

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Vom klassischen Welschriesling 2024 Gebietswein Südsteiermark über den Gamlitzer Gelben Muskateller 2024 zum Sauvignon Blanc Ried Steinbach 2023 aus dem großen Holz bis zum dichten und komplexen SB der Topriede Welles 2022 führte die Verkostung. Es folgte Weißburgunder Eckberg 2024, dann der Morrillon Eckberg ebenfalls 2024 mit schlanken 12,5 Vol% aber schöner Burgundernase. Morillon Ried Steinbach 2023 im großen Holz ausgeabut zeigte sich etwas cremiger, Morrillon Ried Welles 2022 aus dem 5.000 l-Fass war erst vor wenigen Tagen gefüllt worden und zeigte sich noch jugendlich unrund. Den Abschluss bildete der Grauburgunder Reserve 2021 mit 13 Vol%, 5 gRZ aber 7 gS. 

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Damit ging eine sehr abwechslungsreiche, sehr spezielle und teilweise sensationelle Weinreise zu Ende, bevor am nächsten Tag wieder alle heimwärts fuhren. Voller Erinnerungen an die Vielfältigkeit der Südsteiermark und des Vulkanlandes, an die Vielfältigkeit seiner Winzer und der Weine, von denen es nur die Besten zu verkosten gegeben hat. Auch dafür ein Lob den Organisatoren!

Text und Fotos: Christian Stöger

 

 

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