Den Stephansdom, das wohl das bekannteste Wiener Wahrzeichen, konnten am 21.3.2026 mehr als 20 Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums bei einer ganz speziellen Führung des Konventikel Wiener Weinberge erleben. Sie begann beim "Fenstergucker" im Hauptschiff des Doms, bevor es 35 Stufen hinunter in die Katakomben und danach mit dem Lift auf den Nordturm zur Pummerin ging. Von ganz unten also nach ganz oben!

Florian Bauchinger, Domführer zu St. Stephan, leitete uns mit großem Fachwissen und feinem Humor durch den Dom. Die erste Station war das Chorgestühl. Dort erfuhren wir unter anderem, was es mit den violett verhängten Kreuzen auf sich hat: In der Zeit vor Ostern soll auch das Auge fasten.
Weiter ging es zum Friedrichsgrab, welches erst nach einer langen Bauzeit von 40 Jahren fertig gestellt wurde. Wir hatten die Möglichkeit, über Stufen auf das Grabmal aus rotem Marmor zu steigen und den Deckel von oben zu betrachten. Darauf ruht die liegende Figur Kaiser Friedrichs III. († 1493). Es ist eines der größten Werke spätgotischer Skulptur. Am 12. November 1513 wurden die Gebeine Friedrichs III. vom provisorischen Bestattungsort in der Herzogsgruft feierlich in den fertiggestellten Sarkophag übertragen, aber erst 1517 war das gesamte Grabmal vollendet.

Ein weiterer Höhepunkt war der Wiener Neustädter Altar, der von Wiener Neustadt aus Geldnöten an Wien verkauft worden war. Der nach Kaiser Friedrich III. auch „Friedrichsaltar“ genannte Altar ist ein Wandelaltar mit einem Hauptschrein, zwei beweglichen Außen- und zwei beweglichen Innenflügeln. Die Schnitzarbeiten sind teils farbig gefasst, teils vergoldet. Mit der Datierung auf 1447 ist er der älteste Doppelflügelaltar, der in Österreich noch erhalten ist.

Dann ging's nach unten, in die Katakomben, und zwar zur Herzogsgruft unter dem Mittelchor des Stephansdomes. Sie wurde um 1363 von Herzog Rudolf IV. in Auftrag gegeben und war der erste Bauabschnitt der später so genannten „Katakomben von St. Stephan“. Sie diente den Habsburgern bis über die Mitte des 16. Jahrhunderts hinaus als wichtigste Familiengrablege.Weiters wurden hier von 1654 bis 1878 im Zuge der „Getrennten Bestattung“ Urnen mit den Eingeweiden oder Herzen von 56 Habsburgern beigesetzt
Aber auch die Bischofsgruft, die letzte Ruhestätte für Wiener Bischöfe, Domherren und Kardinäle, das Steinmuseum und die Gebeine auf dem unterirdischen Friedhof durften bei unserer Führung natürlich auch nicht fehlen.

Der Lift brachte uns dann auf den 68,3 Meter hohen Nordturm, der eine herrliche Aussicht über Wien und das bunte Dach des Domes bot. Der Nordturm wird nach seiner Bekrönung, dem kaiserlichen Doppeladler, auch „Adlerturm“ genannt. Es folgte die Besichtigung des Dachbodens mit vielen Informationen über den Brand von 1945 und den Wiederaufbau.

Über die Regenrinne und ca. 130 Stufen über die enge Wendeltreppe abwärts endete die Führung wieder auf dem Stephansplatz.
Die gewonnenen Eindrücke konnten im Anschluss in der Champagner Bar "Le Cru" mit einem Glas Pierre Moncuit Blanc de Blanc verarbeitet und diskutiert werden.
Text: Gabriela Stalder/ Christian Stöger
Fotos: Gabriela Stalder
