Bereits zum 12. Mal fand heuer die spezielle Weinverkostung des Konventikels Eins im Palais Coburg statt. Am 23.4.2026 war es wieder soweit, nachdem eine erste Verkostungsrunde bereits am 4.3.2026 das Vergnügen hatte. Geleitet vom Chefsomelier des Hauses, Wolfgang Kneidinger, kamen jeweils neun Flights mit je zwei Proben zur Verkostung. Ein Flight vom gleichen Winzer, vom gleichen Jahrgang und der gleichen Sorte. Einzig die Lage bzw. die Qualität und damit der Preis unterschieden sich!

Die Jahrgänge spannten sich von 2011 bis 2022, aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien bis nach Neuseeland. Vertreten waren insgesamt neun verschiedenen Rebsorten wie Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay, Sauvigong Blanc, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir etc. Die angegebenen Preise sind übrigens jene auf der Weinkarte im Restaurant Palais Coburg.
Los ging die Blindverkostung mit zwei Rheinrieslingen vom WG Van Volxem von der Mosel: "Gottesfuß" 2017 Alte Reben mit 12 Vol% um € 108,- und "Schwarzhofberger" P 2017 mit 12,5 Vol% um € 148,- Der Unterschied war bei diesen beiden Topweinen hier allerdings nur schwer erkennbar!

Dann kamen wir nach Österreich, genauer gesagt in die Südsteiermark ins Weingt Tement: ein SB "Zieregg" 2017 mit 13 Vol% um € 136,- und ein SB "Grassnitzberg" 2017 mit 12,5 Vol% um € 79,- lagen zwar preislich deutlich auseinander, geschmacklich nicht.

Der nächste Flight führte nach Südafrika in die Walkers Bay zum WG Alheit: Chenin Blanc "Cartology" 2023 mit 13 Vol% um € 89,- und Chenin Blanc "Fire by Night" 2023 mit ebenfalls 13 Vol% um € 128,- Hier zeigte sich der "einfachere" Wein reifer und schöner, "Fire by Night" braucht offenbar noch Zeit, um sich zu entwickeln.

Der nächste Flight war wieder aus Österreich, aus der Wachau vom WG Prager: ein GV "Achleiten" Smaragd 2021 mit 14 Vol% um € 105,- und ein GV "Zwerithaler" Smaragd 2021 mit ebenfalls 14 Vol% um € 165,- mit 100 Falstaffpunkten ausgezeichnet. Beide Weine reif, lang und toll.

Weiter ging die vinophile Reise ins Burgund, ins WG Arnaud Baillot. Zuerst ein Chardonnay "Meursault" Premier Cru 2022 mit 13 Vol%, 18 Monaten im Barrique um € 270,- und dann ein Chardonnay "Meursault" 2022 mit 12 Vol% und 12 Monaten im Barrique um € 180,- Beides sehr schöne und für ihre Jiugend bereits tolle Weine.

Nach einer kurzen Essenspause und einem Rundgang durch die Weinkeller des Palais ging's mit Rotweinen bei der Weinritter-Blindverkostung weiter: Zwei Pinot Noir 2021 aus Neuseeland vom WG Felton Road: der Pinot Noir 20 und der Pinot Noir Block 3, jeweils 12 Monate im Barrique gereift und jeweils 14 Vol%. Ersterer um € 115,-, zweiterer um € 195,- Auch hier fiel der Unterschied der beiden Topweine nicht wirklich ins Gewicht.

Zurück nach Frankreich ging's in Bordeaux, und zwar zum WG Chateau Malartic. "Le Comte" 2016, eine Cuvée aus ME/CS/CF mit 13 Vol% um € 79,- und ein "Lagravière" Grand Cru 2016 aus CS/ME mit 13,5 Vol% um € 165,- Hier zeigte sich der Unterschied im Preis auch deutlich im Glas!
Zurück in Österreich war nun das Burgenland an der Reihe: Ernst Triebaumer aus Rust war mit zwei Blaufränkisch vertreten, und zwar Ried Mariental 2011 mit 14 Vol% um € 165,- und Ried Oberer Wald 2011 mit 13,5 Vol% um € 79,- Der erste Wein eleganter, voller, der zweite dunkler mit Lederaromen.

Den Abschluss dieser exklusiven Verkostungen bildete Italien, und zwar das WG Bacenti aus dem Piemont. Zuerst der Brunello 2016 mit 15 Vol% und vier Jahren im Holz ausgebaut um € 115,-, dann der Brunello Alte Reben 2016 mit 14,5 Vol% um € 220,- Beide Weine sehr schön gereift, beide kräftig, lang.

Ein würdevoller Abschluss zweier sensationeller Verkostungen, bei denen eines deutlich wurde: nicht immer ist der Preis aussagekräftig, was die Qualität eines Weines betrifft. Und der persönliche Geschmack ist ohnedies eine andere Geschichte.
Text und Fotos: Christian Stöger
