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Chardonnay: Alt war nicht immer gut

Zur ersten Tafelrunde nach der Sommerpause hat das Konventikel Eins des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums am 18. September 2019 in den Ordenskeller geladen. Chardonnay stand auf dem Verkostungsprogramm, und das 23 Mal aus fünf Ländern, in Österreich vom Burgenland bis nach Vorarlberg. Vom jungen 2018er Jahrgang bis ins Jahr 1988 zurück führte die Zeitreise, die eines zeigte: alt war - zumindest bei dieser Verkostung - nicht immer gut.

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Seine Herkunft ist das Burgund, wo der Chardonnay aus einer Kreuzung zwischen Burgunder und Heunisch entstanden ist. Erst Ende des 20. Jahrhunderts hat diese Sorte auch in Österreich flächenmäßig an Bedeutung gewonnen, lediglich in der Steiermark hat er sich als Morillon schon länger einen guten Namen gemacht. Heute werden etwas mehr als 1.400 ha Chardonnay in Österreich ausgebaut, was 3,1% der Anbaufläche entspricht. Dass die Sorte weltweit verbreitet ist, kjonnte man auch bei dieser Verkostung erkennen, dass seine Weine zu den teuersten der Welt gehören, ist dem oder der einen sicherlich bei diversen Lokalbesuchen bereits aufgefallen. Auch bei der Konventikel Eins-Verkostung reichte der Preisrahmen von € 7,50 bis € 70,- pro Flasche, wobei der Durchchnitt bei € 15,00-28,00 lag.

Begonnen wurde mit den preislich günstigeren, jungen 2018er Chardonnays, und zwar mit einem trockenen, frischen, nach Äpfel und Birnen duftenden und schmeckendem CH vom WG Karl Thaller aus dem steirischen Vulkanland, sowie dem süß-fruchtigen Exklusiv mit 12g RZ vom WG Jauk aus der Weststeiermark. Füllig und opulent dann der CH 2017 vom WG Skoff aus der Südsteiermark, mollig und rund der CH "Vom Berg" 2018 vom WG Alphart aus Traiskirchen (Thermenregion).

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Zu 75% im Barrique ausgebaut war der CH "Select" 2017 vom WG Wieninger aus Wien/Mauer, was ihm ein deutliches Holzaroma, gemischt mit Nougat und Orangenzesten gab. Die "Reserve" 2017 war der letzte Wein von Walter Buchegger aus dem Kremstal, der 2018 verstorben ist. Mit toller Eichennote, intensivem Aroma, nussig, breit und voll. Das galt auch für den mit dem Wiener Weinpreis ausgezeichneten CH vom WG Fuhrgassl-Huber aus Grinzing.

Weiter ging es mit dem Excentric von der Medi Valley Winery aus Bulgarien. Birnenaromen, Zuckermelone sowie ein reifer und runder Körper bei 14% Alkohol verstanden zu überzeugen.Eher herb, aber ebenso lang im Abgang der CH "Rosenberg" vom WG Krauthaker aus Kroatien. Dann wieder gewohntes heimisches, und zwar die Lagenselektion vom WG Taubenschuss in Poysdorf. Vollmundig, mit zartem Schmelz, schöner Birnenfrucht, sehr ausgewogen. Rotwein-Papst Josef Leberl aus Großhöflein war mit einem CH, der zu 100% im Barrique ausgebaut wurde, vertreten. Der Jg 2015 zeigte sich bei 14,5% noch streng, holzig, herb.

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Vom Bodensee kam der CH 2013 aus der Lage "Neu Amerika" mit 12,5% vom WG Möth, der sich im Glas leider sehr astringierend, fast unangenehm, zeigte. Toll gealtert hingegen der Unterloiben Smaragd vom WG Alzinger aus dem Jahr 2008 mit 13%. Ein klassischer Burgunder mit der typischen Chilly-Note im Abgang dann der Biowein vom Château du Clos aus Pouilly-Fuisse, der ein Jahr im Barrique ausgebaut worden war. Mit € 28,- durchaus ein Schnäppchen. Gelber Apfel und Akazienhonig waren die dominanten Eindrücke beim CH 2012 von Newcomer-Preisträger Konrad Mariel vom Leithaberg aus Wulkaprodersdorf.

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Sehr reif mit schönen Vanilletönen der CH "Sanct Valentin" 2013 vom WG St. Michael-Eppan aus Südtirol mit 14%. Genau so viel Alkohol hatte dann auch der CH "Tatschler" vom WG Kollwentz vom Leithaberg aus dem Jahr 2009. 10 Jahre gereift kam dieser Wein erst heuer, 2019, in den Verkauf. Bei der Vinaria-Verkostung wurde dieser Wein 2011 mit seinem typischem Burgunderaroma Klassensieger. Auch der Überraschungswein des Abends kam vom WG Kollwentz, und zwar der CH "Gloria", Vinaria-Sieger 2012. Kräftig, rund, vollmundig.

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Zum Schluss wurde es richtig alt: "Lores Reserve" 2003 vom WG Reinisch aus Tattendorf, im Holzfass gereift, zwei Jahre auf der Flasche, mit schönem Kräuteraroma, lang und voll. "Ried Brindlbach" 2000 vom WG Schellmann zeigte sich reif und opulent, der CH 1995 vom gleichen Weingut hingegen bernsteinfarben und eher sherry-artig. Flach und zu alt auch der Morillon Merveilleux 1998 vom WG Erwin Sabathi aus Leutschach/Südsteiermark. Was leider auch für den CH Trentino von Gottardi aus dem Jahr 1988 galt. Fazit: offenbar errhalten sich nur wenige Chardonnays eine schöne Trinkreife jenseits der 25 Jahre. 10-15 Jahre schien - zumindest bei dieser Verksotung - der beste zeitpunkt für den größten Genuss zu sein.

Text und Fotos: Christian Stöger   

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