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Cabernet im Coburg

Auf Grund der großen Nachfrage gab es heuer gleich zwei Verkostungstermine im Palais Coburg, wo am Dienstag, den 5.3. und am Mittwoch, den 6.3. erlesene Cabernet Sauvignons und Cabernet Francs aus aller Welt von Coburg-Somelier Lukas Krenn kredenzt wurden. Von 2016 bis 1979 (!) reichten dabei die Jahrgänge zurück, die blind verkostet wurden und so manche positive Überraschung zu bieten hatten.

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Der Cabernet Sauvignon stammt, ebenso wie der Cabernet Franc, aus dem Bordeaux und hat von hier seinen Siegeszug in die ganze Weinbau-Welt angetreten, in jüngerer Vergangenheit verstärkt auch nach Übersee. Cabernet Sauvignon ist heute mit einer Rebfläche von 288.781 ha weltweit an erster Stelle. Nicht so verbreitet ist hingegen der Cabernet Franc, der vor allem in Frankreich und Italien als Verschnittwein verwendet wird. Im Vergleich zum CS ist sein Tanningehalt etwas geringer, die Weine sind farblich etwas heller, weisen eine deutlich geringere Adstringenz auf und sind daher jünger trinkbar. Reinsortig wird der Cabernet Franc an der Loire ausgebaut, wovon sich die St. Urbanus-Verkostungsrunde gleich zu Beginn überzeugen konnte. Denn im 1. Flight trat ein CF 2016 der Domaine Guiberteau aus Samur an der unteren Loire (12,5% Alkohol, dunkles Rubin, kräftiges Tannin, ledrig, dunkles Beerenaroma, jugendlich unrund) gegen die 1000x Cuvée aus CS und M, Jahrgang 2012 vom WG Feiler-Artinger aus dem Neusiedlersee/Hügelland an. Was eindeutig für die kräftige (14%), sehr würzige, runde, mit Himbeer-Aroma überzeugende Cuvée ausging.

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Ebenfalls aus Saumur an der Loire dann der CF Clos Rougeard 2012 mit 12,5% und dezenter Würze sowie schöner Fülle, der sich gegen den CF Non-Tradition 2015 (12,5%, deutlich ausgeprägtes Cassis, kräftiges Tannin, jugendlich unrund) von Christian Tschida aus Illmitz durchsetzte. Als Speisenbegleiter zur Aufschnitt-Platte dann ein CS 2003 von Anton Kollwentz aus Großhöflein aus der Magnum-Flasche. Mit 14%, dunkelviolett, dunklem Beerenaroma und kräftigem Tannin sehr harmonisch und ausgewogen bei idealer Trinkreife. Eines der Highlights der Verkostung.

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Dann zweimal CS aus dem Jahr 1985, und zwar der "Römerhof" wieder von Anton Kollwentz mit 12,5% elegant, rund, mit dezentem Holzeinsatz, sowie der "La Ferronniere" CS aus dem Napa Valley, Kalifornien, USA. Kräftig, erdig, würzig, am Gaumen Dörrobst und Rumpflaumen. Ein klassisches Unentschieden der Geschmäcker in diesem Flight.  Als Überraschungswein des Palais Coburg gab es in diesem Flight auch noch einen Bordeaux, und zwar Château Meyney aus Saint-Estèphe. Und der war tatsächlich DIE Überraschung des Abends. Niemand erkannte, dass diese Cuvée aus 2/3 Merlot und 1/3 Cabernet Sauvignon bereits 40 (!) Jahre auf der Flasche hatte. Farblich keinerlei Alterston im dunklen Violettrot, in der Nase kräftig, am Gaumen aber fruchtig, mit schöner Säure und langem Abgang. Ein echtes Erlebnis und für Viele der Verkostungssieger.

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Es folgten zwei jugendliche Weine aus dem Jahr 2015, die aber reifer schmeckten als man vermuten konnte. Zuerst der CF "Duemani" aus der Maremma (Toskana) mit 14,5% ein schwerer, dunkler Wein, der eineinhalb Jahre im Holzfass war, udn der CS CalX von Josef Leberl aus Großhöflein mit ebenfalls 14,5% Alkohol, der sogar zwei Jahre im Holz reifte, sich voll, kräftig, saftig und mit reifem aber rundem Tannin präsentierte. Danach ging es wieder in die Neue Welt, und zwar ins australische McLaren Valley, wo der "Clarendon Hills" vom WG Hickinbotham herkam. Ein Jg 2006 mit 14,5% kräftig, am Gaumen zartschmelzende Schokolade. Mit ihm im zweiten Glas ein CS aus dem kalifornischen Napa Valley, der "Ramey" 2005, mit ebenfalls 14,5%, schöner Kräuterwürze, dichter Struktur und kräftiger Aromatik.

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Zum Schluss der Blindverkostung ging es nach Italien, und zwar zuerst ins Piemont, wo der CS "Darmagi Langhe" 2001 vom berühmten Barolo-Macher Gaja durch seine Dichte, seine Eleganz und sein zartes Aroma begeisterte. Dem um nichts nach stand der Sassikaia 2001 vom WG Tenuta San Guido aus Bolgheri in der Toskana. Mit 13,5% Alkohol, festen, fordernden Tanninen, mit feiner Bitterschokolade im Nachhall, feinem Nougat, finessenreich und extrem langem Abgang ebenfalls ein Wein, der seinesgleichen sucht.

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Fazit dieser Verkostung, bei der beim 2. Termin als Ehrengast auch der Wiener Präsident des Verbandes der Köche Österreichs, Michael Schneider, dabei war: Es war vor allem der Caberner Sauvignon, der seine Beliebtheit rund um die Welt unter Beweis stellte. Von Australien, über die USA, Italien, Frankreich bis Österreich reichten die verkosteten Weine, wobei vor allem die Österreicher hier sehr gut mithalten konnten. Überraschend auch, wie gut und eigentlich frisch sich diese Weine im Alter präsentierten und so manche Weinritter oder Ehrendamen in die Irre führten. Aufgrund der hohen Qualität und wohl auch der preislich im Top-Segment angesiedelten Weine darf man sich schon jetzt auf die Coburg-Verkostung im nächsten Jahr freuen.

Text und Fotos: Christian Stöger