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Rioja in Weiß und Rot

Rioja - ein Wein, ein Anbaugebiet, ein klingener Name, der jeden sofort an Spanien, Sonne, Sommer denken lässt. Das Weinbaugebiet Rioja in Nordspanien ist sicher eines der bekanntesten und traditionsreichsten der Iberischen Halbinsel, und ganz sicher auch eines der Besten. Dass dieses Thema interessiert, zeigte die Anmeldeliste und die Anzahl der mitgebrachten und verkosteten Weine bei der Tafelrunde am 23. Jänner, nämlich insgesamt 24!

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Rioja gilt als einer der Ausganspunkte für den spanischen Qualitätsweinbau. Kein Wunder, gab es doch immer wieder Wissenstransfer aus den französischen Gebieten Bordeaux zu Zeiten der Reblaus, sowie deutlich früher schon durch Mönche aus dem Burgund. Passieren doch alle Pilgerwege nach Santiago de Compostela aus dem restlichen Europa diese Weinregion Spaniens, und mit Sicherheit hat dieser Wein vielen Pilgern die Strapazen überhaupt erst ertragen lassen…

Den Rioja, also den Wein, gibt es als - bei uns praktisch unbekannten – Weißwein, und natürlich als Rotwein. Selten und erst in neuerer Zeit reinsortig ausgebaut, ist Rioja so gut wie immer ein Cuvee verschiedener Sorten, traditionell mit einem Großteil – meist dreiviertel oder mehr – an Tempranillo, einer früh reifenden, auf Iberien weit verbreiteten robusten Rotweinsorte. Beim weißen Rioja ist die Hautsorte die Viura (Macabeo). Der Tempranillo bringt fruchtige, eher säureärmere Weine mit einer guten, weil eher weichen und zugänglichen Tanninstruktur hervor. Damit sind die Weine schon in der Jugend gut trinkbar, können bei entsprechender Qualität, also Ertragsreduktion, aber auch sehr lagerfähige Weine hervorbringen. Die Reben wachsen auf roten, eisenhaltigen Lehmböden in einer Höhe von 300 – 800m.

Die Qualitätsstufen beim Rioja richten sich in erster Linie nach der Fasslagerung. Riojas werden in der Regel erst verkauft, wenn sie trinkreif sind. Ein Crianza ist da mindestens 2 Jahre alt, eine Reserva 3 und eine Gran Reserva mindestens 5 Jahre alt, Fass- und Flaschenlagerung vor dem Verkauf zusammen gerechnet. Das heißt aber nicht, dass die Weine ab dem Verkauf abbauen, ganz im Gegenteil: die meisten Weine legen dann noch jahrelang zu, wovon wir uns bei dieser Verkostung vielfach überzeugen konnten.

Los ging's mit zwei weißen Riojas, und zwar einmal der Vina Ijalba 2016, ein Crianza blanco aus der erst 1988 entdeckten Traubensorte Tempranillo Weiß, von der besonders fuchtigen Art mit knackiger Säure. Der zweite ein Vina Gravonia von Lopez de Heredia aus dem Jahre 2000. Intensives Honiggelb, 48 Monate im Fass gereift, daher außergewöhnlich, reif, lange noch nicht alt, trotzdem nicht jedermanns Sache; ein Wein mit dem man sich beschäftigen sollte…

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Weiter ging's dann mit den roten Riojas:

  • Den Tempranillo von Antano aus 2017 mit 13% würde ich als schönen Pilgerwein einordnen, jung, gut trinkbar, unkompliziert.
  • Eine Überraschung war der Crianza 1998 von Siglos – überraschend jugendlich, etwas dünn mit 12,5% Alkohol aber ein sehr schöner Wein!
  • Der Avior Reserva von Horzales, 2008, mit 13,5%, zeigte dagegen noch seine Krallen, jugendlich ungestüm und bissig!
  • Die Reserva Hermina aus 2011 mit 14% war ebenfalls gut zu trinken, schön duftig mit einem Hauch Gewürzen.
  • Der Tempranillo von Muga aus dem Jahr 1981 war mit nur 12% ein erster überraschender Höhepunkt, zwar von der Farbe schon etwas dünn, mit einem deutlichen Reifestinker, aber wunderschöne Frucht nach Ribisel, angenehm und schön im Abgang.
  • Leider einen Korkfehler hatte die Reserva 2010 von Remurelli.
  • Die Reserva von Ramon Bilbao aus 2010 mit 14,0% Alkohol – besonders fein mit blütenfruchtigem Duft, bliebt angenehm am Gaumen haften, lang im Abgang – für € 14,00 ein Preis-Leistungs-Qualitätshit!
  • Die Reserva von Muga aus 2010 zeigte sich bei 14% Alkohol trocken, fast ‚staubig‘ am Gaumen, dicht, intensiv, und wahrscheinlich noch einige Jahre vom Höhepunkt entfernt… (siehe auch oben 1981!)
  • Der erste Wein von Marques de Murrieta, die Dalmau Reserva 2007 mit 14,5%, reifte zwei Jahre in amerikanischer Eiche (Vanilleton), mit viel Schoko, dicht, aber immer noch hart, bissig, vermutlich noch Jahre zu jung, mit viel Potential.

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  • Die Reserva von Bedegas Amaren aus 2004, ein 100-Punkte Wein (!) aus über 60-jährigen Reben (100% Tempranillo), 18 Monate in französischen Barriques gereift, war sehr fein, harmonisch rund, feinfruchtig, lang anhaltend, zarte Kaffeenoten… bei einer Nachverkostung nach über einer Stunde ist der Wein weiter aufgegangen und war noch ein schönerer Genuß!
  • Die Reserva von Ontanon aus 2005 mit 13,5% war 24 Monate im Barrique, hatte einen etwas medizinischen Ton, Minze, bittere Würze, schöner Wein!
  • Dann folgten zwei ältere Vertreter, die Vini Alberdi Crianza 1980 von La Rioja Alta – sehr reif und schon etwas zerlegt – und eine Reserva von Campillo aus 1978 (!), der war aber deutlich hinüber und kein Genuss mehr.
  • Die Gran Reserva von Marques del Puerto, 1995, 13%, war ein feiner Wein mit sauberem schönen Duft, sehr o.k.
  • Der Mirto von Ramon Bilbao, 2012, 14%, 19 Monate in französischer Eiche, 100% Tempranillo, mit Noten nach Thymian und Lebkuchengewürzen, jedenfalls ein sehr schöner Wein, allerdings auch schon im gehobenen Preissegment mit € 36,00.
  • Es folgten 2 Gran Reservas von Marques de Murrieta, die erste aus 2012 (14% Alkohol, 80% Tempranillo), sehr schön im Duft, sehr jugendlich! Die zweite aus 2009 (13,5% Alkohol, 89% Tempranillo), deutlich reifer, relativ hart und bissig. Beide Weine von der Qualität her ebenbürtig, trotzdem sehr deutliche geschmackliche Unterschiede!
  • Die Albina Gran Reserva von Riojanas, 2008 mit 13,5%, war im Duft cremig weich, am Gaumen aber noch sehr jugendlich, knackig und etwas bissig.
  • Die Gran Reserva 904 von La Rioja Alta, 2005, 13,5% Alkohol, 90% Tempranillo, rund, harmonisch, trotzdem intensiv mit viel Tiefe, dunkel rauchig, sehr lang. Ein Edelwein, einer der Besten des Abends!
  • Den Abschluß des Abends krönten dann noch drei Ikonen: nicht nur für Rioja, sondern für ganz Spanien, die Ygay Gran Reserva Especial von Marques de Murrieta, alle 14% Alkohol, preislich in der 100 Euro-Gegend. 2007, 2005 und 2001 konnten wir verkosten. Alle drei waren hochelegante Weine, intensiv und trotzdem edel und fein, sehr feine Tannine, komplex, lange im Abgang, zarte Gewürze… welcher jetzt der bessere der drei war, konnte auch eine Abstimmung nicht ganz klären, da zwischen 2007 und 2005 die Stimmen recht gleich verteilt waren…

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Zusammengefasst würde ich sage: Rioja sind Weine, die etwas ‚ernster‘ sind und nicht den vordergründigen Spaßfaktor haben; die Weine sind langlebig, trotzdem in der Jugend schon zugänglich; die höheren Qualitäten erreichen ihren Höhepunkt erst nach 10+ Jahren, vielleicht erst auch nach 20 oder 30 Jahren… und JA!, Rioja ist eine Pilgerreise wert!

Und wer Riojas auch kaufen möchte, ist in der Vinothek und Tapas-Bar YMAS in Wien 9, Lazarettgasse 22 richtig (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.ymas.at)

Text: Engelbert Kitzler
Fitis: Monika Schwedler

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