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Mit Wolfgang und "Loisi" am Falkenberg

Es war einer jener Sommertage, dieser 8. August 2017, wo sich die brütende Hitze der Stadt mit einer frischen Brise in den Rieden am Bisamberg wegblasen ließ. Was wäre da wohl für Weinfreunde besser geeignet, als bei einem reichhaltigen Heurigenbuffet direkt im Weingarten von Wolfgang Matuska dessen Weine zu verkosten. Und am Weg dorthin viel über den Wiener Wein, die Lagen am Bisamberg und den biologischen Weinanbau zu erfahren.

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Es ist ein kleiner, gemütlicher Heurigenbetrieb in der Stammersdorfer Kellergasse 76, den die Matuskas seit nunmehr 25 Jahren bereits in zweiter Generation bewirtschaften. Hier war Treffpunkt der Riedenwanderung, zu der das Konventikel Wiener Weinberge geladen hatte. Und wo Wolfgang Matuska die Gruppe auf dem Weg zum Falkenberg anführte. Durch enge Pfade zwischen Büschen und Weinstöcken ging es hinauf auf den Bisamberg. Immer wieder öffnete sich der Blick auf die Großstadt, die in der Hitze des Sommers gefangen schien. Die Luft flirrte, aber hier in den Rieden wehte ein angenehmes Lüfterl. Immer wieder gab es einen kurzen Zwischenstopp, bei dem Wolfgang Matuska den Wein, die Lage und das Terroir erklärte. Mehr als 20 Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums waren dabei.

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Eine dicke Lössschichte, ein Überbleibsel des einstigen Urmeeres, bietet den Reben ideale Voraussetzungen. Vier Hektar gehören den Matuskas, Wolfgang bewirtschaftet für seinen Freund und Kollegen Werner Christ weitere eineinhalb Hektar. Neben dem Grünen Veltliner, der zum einen in der unteren Lage Gabrissen ausgepflanzt ist, zum anderen aber oben, auf der Anhöhe der Ried Falkenberg, wachsen noch der Gemischte Satz in der Ried Tachlern, dazwischen einige Zeilen Riesling, auch Gelber Muskateller ist zu sehen. Die Beeren, von neugierigen Weinfreunden verkostet, zeigten sich für den frühen Zeitpunkt bereits erstaunlich reif und süß.

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"Vom Weingarten bis in den Keller legen wir großen Wert auf eine schonende Behandlung unserer Trauben", erklärt Wolfgang Matuska. "Eine biologische Bearbeitung der Weingärten und der Trauben im Keller sind feste Bestandteile unserer Philosophie." Erst im Vorjahr ist auf Bioweinbau umgestellt worden, wird auf Pestizide ganz verzichtet und werden nur biologisch abbaubare Spritzmittel im Weingarten eingesetzt. "Im Unterschied zu anderen Winzern in benachbarten Rieden, die aufgrund des geringeren Arbeitseinsatzes den Wein auch wesentlich billiger anbieten können", klagt Wolfgang Matuska. Bio hat eben auch seinen Preis, dafür "lebt" aber der Weingarten, wovon sich die Urbanus-Ritter überzeugen konnten. Sogar ein scheues Reh haben wir zwischen den Rieden aufgeschreckt.

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Und dann, der Höhepunkt und das Ziel der Riedenwanderung: das Heurigenbuffet direkt im Weingarten am Falkenberg. Lediglich 8 Zeilen oder 0,4 ha bewirtschaftet Wolfgang Matuska hier, aber die Lage und der Blick sind atemberaubend. Als Willkommenstrunk gab's zuerst einmal einen Frizzante St. Laurent rosé 2016, erfrischend, mit zartem Erdbeeraroma. Danach, an reichlich gedeckten Heurigentischen Platz genommen habend, machte der Grüne Veltliner "Falkenberg" 2016 den Anfang der Matuska-Weine. 12,2 Vol%, resch, spritzig, ob der auf 255 Höhenmetern gelegenden kühlen Lage ein sortentypischer Vertreter seiner Art. Erfrischend frisch auch der Gemischte Satz DAC aus GV, WB, NB und R mit 12,5 Vol%. Gefolgt vom Paradewein des Hauses, dem Grünen Veltliner "Loisi" 2016. Mit diesem Wein mit 12,6 Vol% stellte Wolfgang Matuska heuer den Wiener Landessieger in der Kategorie "Grüner Veltliner klassisch". Ein toller, trinkfreudiger Biowein, bei dem man gerne ein zweites Glas trinkt.

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Den Abschluss bildeten dann noch "Best of Burgund", eine Cuvée von 70% CH und 30% GB, mit 12,7 Vol% angenehm rund und mit satten, süßen Fruchtaromen, sowie die Cuvée "Hannah-Sophie" 2015, aus 60% STL, 30% ZW und 10% BB, die beim Wiener Weinpreis mit der Goldmedaille ausgezeichnet worden war. Ein Jahr in französischer Eiche gereift zeigt sich dieser unfiltrierte und daher leicht trübe Rote mit 13,8 Vol% rauchig, mit betörenden Aromen nach Schwarzkirschen und Brombeeren, am Gaumen ein wenig hart und herb, was wohl seinem jugendlichen Alter zuzuschreiben ist. Ein Wein, den man in einigen Jahren gerne wieder im Glas haben würde.

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Mit Nachverkostungen und angeregten Gesprächen ging dieser Nachmittag langsam zu Ende, bevor man sich durch die Rieden wieder auf den Heimweg machte. Bis 21. August ist beim Matuska übrigens noch aus'gsteckt - in seinem besonderen Platzerl am Fuße des Bisambergs.

Text & Fotos: Christian Stöger

 

 

 

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