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Zwei Mal zwei Weiße

Zwei Abende und zwei Rebsorten: Erstmals fand eine Tafelrunde des Konventikel EINS zum selben Weinthema an zwei Abenden, am 21. und 28. Juni 2017 statt. Es gibt zwei weiße Rebsorten: Rotgipfler und Zierfandler im direkten Vergleich. Beim ersten Termin am 21.6. im Ordenskeller haben 14 Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums 19 Weine verkostet, beim 2. Termin waren es 18 Personen und 20 Weine. Zur allgemeinen Überraschung gab es manchen in Würde gealterten Schatz.

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Es war also das erste Doppel - und zwar zwei Mal zwei Weiße: Rotgipfler und Zierfandler mal 2 sozusagen. Wobei es sowohl bei den teilnehmern als auch bei den Weinen zu Überschneidungen gekommen ist. Ersteres durchaus gewollt, zweiteres eher zufällig, aber durchaus beachtenswert. Denn es hat sich einmal mehr gezeigt, dass anhand der präsentierten Weine unserer Ordensgemeinschaft eine deutliche Qualitätszunahme erkennbar ist.

So fanden sich die Traiskirchner Winzer Stadlmann und Alphart an beiden Verkostungsabenden wieder, ebenso Biegler und Krug aus Gumpoldskirchen sowie Aumann aus Tribuswinkel. Vor allem der Zierfandler Mandel-Höh, mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet,. gehörte an beiden Abenden zu den echten Höhepunkten. Wobei sich der 2015 von Johann Stadlmann mit 13,5 Alkohol als hocheleganter Wein präsentierte. Mit einem Duft, der den meisten schon ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat: feinwürzig komplex, zart nach Honig und Orangenschalen duftend, Aromen von Äpfel, Birnen, mineralisch. Ein Wein, jetzt viel zu jung, aber allemal seine Klasse und Finesse aufzeigend. Mit Sicherheit und einstimmig gleich eines der Highlights an diesem Abend. Und dann erst der in Würde gealterte Jahrgang 2009. Reif, würzig, rund, vollmundig - alle Eigenschaften des jungen Zierfandlers zur Perfektion gereift.

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Wobei es bei manchen Weinen ein durchaus enges Rennen war: der elegante Zierfandler gegen den fruchtintensiven Rotgipfler, beides autochtone Sorten der Thermenregion südlich von Wien. Bemerkenswert die ausgezeichnete Haltbarkeit der verkosteten älteren Jahrgänge. Für uns daher unverständlich, dass beide Rebsorten zusammen nur mehr 0,4 Prozent der österreichischen Rebfläche ausmachen. Ihnen mehr Beachtung zu schenken, wäre allemal wert.

Der Zierfandler (auch Spätrot genannt) zeichnet sich bei ausgereiften Trauben durch Extrakt, angenehme Säure und elegante Blumigkeit aus. Die Sorte ist eine autochthone Rarität, eine natürliche Kreuzung aus Roter Veltliner und einer traminerähnlichen Sorte. Mit insgesamt 85 ha Anbaufläche ist sie in Österreich fast nur in der Thermenregion anzutreffen.

Aber auch der Rotgipfler ist mit 105 ha Anbaufläche ein Kind der Thermenregion. Aus der natürlichen Kreuzung aus Traminer und Roter Veltliner entstehen Weine mit hohem Extraktgehalt, angenehmer Säure und feinem, oft fruchtgeladenem Bukett. Der Wein reift langsam, hält aber auch sehr lange.

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An Johann Stadlmann führte bei diesen Themenverkostungen kein weg vorbei. Sein Rotgipfler "Anninger" 2016 mit 12,5% und schönen Steinobstaromen begeisterte beim 2. Termin mit frischer Fruchtigkeit, bei der ersten Verkostungsrunde begeisterte sein Rotgipfler "Tagelsteiner" 2015 und 2007. Beide von sehr guter Qualität. Der 2015er etwas kühl, verhalten, mit zartem Duft nach Erdnüssen, sonst sehr komplex und ausladend von der Duftfülle, mit straffer Säurestruktur. Der 2007er hatte schon merkliche Reifetöne, unter der die Eleganz geringfügig litt. Insgesamt aber ein recht schöner Wein.

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Der Rotgipfer "Brindlbach" 2015 vom Biegler aus Gumpoldskirchen mit 14,0 Alkohol war ein Wein mit schönem Duft, volle Substanz am Gaumen, würziger Strukur und Aromen nach feinen Gewürzen. Sensationell hingegen seins Rotgipfler Reserve 2011. Mit Kräuteraromen, Orangenzesten zeigte sich dieser Wein trotz seiner 14,5% mit feiner Textur. Und mit € 15,- auch ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dann die Weine von Karl Alphart in Traiskirchen, beginnend mit dem Rotgipfler "Rodauner" 2015 mit 14,0 Alkohol, dem Paradewein des seit 1762 bewirtchafteten Weinguts. Ein Wein mit burgundischen Anklängen, mit einem Hauch Orange, voll, komplex und dabei harmonisch fein. Die nachfolgenden zwei Weine von Alphart, ein Rotgipfler "Rodauner 2013" und ein Rotgipfler "Vom Berg", beide mit 13,5 Alkohol, gab es an beiden Verkostungsabenden. Beide vollmundig, mit schönem Birnenaroma, wobei Letzterer mit 92 Falstaff-Punkten ausgezeichnet wurde.

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Der Rotgipfler "Rasslerin" 2007 vom Krug in Gumpoldskirchen war der nächste Wein – und einer der kontroversesten des Abends! Aus meiner Sicht ein für seine 10 Jahre edelschöner Wein, feinelegant, offen, ohne merkliche Reifetöne, nach Orange, Stachelbeere, Apfel, Birne Schmeckend, mit sehr schönem Trinkfluß – aber wie gesagt, der Eindruck wurde nicht von allen geteilt! Keine Diskussion gab es beim Rotgipfler "Vollendung" 2012 von Gustav Krug. Stoffig, kraftvoll, ausgebaut im neuen Holz, mit runden Birnenaromen, üppig und reif. Und dennoch ein jugendlicher Trinkgenuss. Ein Wein, der auch immer wieder international ausgezeichnet wird, wie etwa der 2015er mit AWC-Gold im Vorjahr, Silber bei der Frankfurt International Trophy und Sortensieger der Thermenregion.

Der Rotgipfler Flamming 2006 vom Aumann in Tribuswinkel mit 14,0 Alkohol war ebenfalls ein super Wein, mit einem zarten Stinker, der im Glas langsam verblasste, von der Reife her sicherlich am Höhepunkt, jetzt zu trinken! 40 ha bewirtschaftet Leo Aumann, 300.000 Flaschen werden abgefüllt. Auch der junge 2016er Rotgipfler Flamming überzeugte durch seine exotische Nase, breite Fruchtfülle, zarten Grapefruitnoten. Mit 91 Falstaff-Punkten ausgezeichnet auch jung getrunken ein Erlebnis.

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Damals eine Bombe und heute immer noch eine Bombe: der Rotgipfler "Grand Select" 1999 vom Zierer in Gumpoldskirchen, mit 14,0 Alkohol kann der Wein nach fast jedem Rotwein getrunken werden. Im Holz ausgebaut, intensiv nach Orangen, Gewürzen duftend, wuchtig und trotzdem harmonisch, reif und fein; das Potential dieser Sorte in diesem Fall so ziemlich bis an die Grenze ausgereizt! Auch der Rotgipfler "Grand Seigneur" 2000 vom Weingut Josef und Jana Piriwe aus Traiskirchen war als Abschlusswein der 2. Verkostung so ein Fall: Bernsteinfarben,  im Barrique ausgebaut, nussig, voll, mit Karamelnoten und Orangenzesten, mit 17 Jahren kräftig und einfach ein toller Trinkgenuss.

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Ganz besonders zu erwähnen bei der 1. Verkostung waren zwei Weine, bei denen es wirklich ein Privileg war, diese verkosten zu dürfen: vom Doyen der Thermenregionswinzer, dem 2004 verstorbenen Gottfried Schellmann aus Gumpoldskirchen. Da war einmal der Rotgipfler "Prestige" aus 2001, mit 13,5 Alkohol – ein zarter Hauch ‚Petrolton‘, edle Reife, leicht an Stachelbeere erinnernd, edelmineralischer klarer Stoff, betörend lange auf der Zunge. Und dann noch der Spätrot-Rotgipfler 1993, 24 Jahre alt, helle Farbe, zart, kein Alter, hätte durch dekantieren vermutlich noch gewonnen, nicht so wuchtig wie die Vorgänger aber immer noch sehr schöner Trinkfluss - grandios! Mit großer Dankbarkeit verkostet!

Zum Abschluß dann noch ein typischer Königswein aus Gumpoldskirchen von Hasenörl, Jahrgang 1979! Obwohl der Wein schon sherryartig oxidiert war, immer noch ‚in Ordnung‘. Kein Highlight zwar, aber ein schönes Beispiel, wie viel Alterungspotential diese Sorten haben!

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Erwähnenswert einmal mehr die Kochkünste unseres Ordensküchenmeisters Karl Schaffelner. Seine Currysuppe mit Meeresfrüchten, gefolgt vom geschmorten Lamm mit Polenta - einfach sensationell (siehe auch "Karl's Kulinarium").

Zusammengefaßt kann sicherlich gesagt werden, dass uns internationale Weinkenner ob dieser Weine einfach nur beneiden würden, würden sie sie kennen. Und wir können stolz auf unsere Raritäten sein, die speziell im etwas gehobenen Preissegment von etwa 25-30 Euro plus pro Flasche ein wunderschönes und sicheres Reifpotential haben - und sowohl im nationalen als auch im internationalem Vergleich ganz vorne mitspielen können. Was zahlreiche Auszeichnungen unterstreichen. Fazit: zwei Weiße, die zwei Mal verkostet nichts von ihrem Charme einbüßen. Zwei unterschätzte Sorten, denen man durchaus mehr Beachtung schneken sollte. Nach dem Motto: das Gute liegt oft sehr nahe!

Text: Christian Stöger/ Engelbert Kitzler/ Alexander Heider
Fotos: Monika Schwedler/ Christian Stöger

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