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Gemischter Satz und Burgunder

16 Winzer aus Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf präsentierten am Mittwoch, den 5. April 2017 im Florido Tower den Jahrgang 2016. Das Konventikel Wiener Weinberge des St. Urbanus Ordenskollegiums hat zu dieser Veranstaltung geladen, die heuer bereits zum 4. Mal stattfand und auf reges Publikumsinteresse stieß. Im Mittelpunkt stand dabei einmal mehr der 'Wiener Gemischte Satz DAC' - und die Burgunderweine.

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Nach den Eröffnungsworten vom Prior des Konventikels Wiener Weinberge, Wolfgang Seipelt, und den Grußworten vom Vorsteher des 22. Bezirkes, Hospes Ernst Nevriviy, gab Bauernbundpräsident Franz Windisch einen Exkurs zum Thema "Gemischter Satz", der Paradesorte des Wiener Weins. "Der Wiener 'Gemischte Satz' ist einer der traditionsreichsten Weine Österreichs und ein Stück Identität der Weinstadt Wien", so Windisch. Auf fast 700 ha wird in Wien Wein angebaut, das Herzstück davon ist eben der "Wiener Gemischte Satz", seit 2013 mit dem DAC-Status geadelt. Damit ist gesichert, dass dieser Wein ausschließlich aus Wien stammt und seine hohe Qualität durch strenge Regeln und Kontrollen gewährleistet ist und bleibt.

Das bedeutet, dass mindestens drei Qualitätsrebsorten aus ein und demselben Weingarten im 'Wiener Gemischte Satz DAC' vorkommen müssen. Der größte Sortenanteil einer Rebsorte darf nicht höher als 50% sein, der drittgrößte Anteil muss zumindest 10% umfassen. Mit einer Cuvée hat der typische Wiener Wein aber nichts zu tun: Die Trauben aller Sorten werden gemeinsam gelesen und verarbeitet. Der 'Wiener Gemischter Satz DAC' ist frisch, mit saftiger Eleganz und einem maximalen Alkoholgehalt von 12,5%. Die Trauben für die Weine können aus verschiedenen Wiener Weingärten stammen, wobei jeder einzelne Weingarten allerdings den strengen DAC-Kriterien entsprechen muss. Soweit also die Zahlen und Fakten.

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Bei der 4. Floridsdorfer Weinverkostung im Florido Tower war beim Jahrgang 2016 vor allem eines festzustellen: viele Winzer haben den klassischen Gemischten Satz sozusagen weiter entwickelt. Waren es früher Leitweinsorten wie Grüner Veltliner oder Riesling, die den Hauptanteil des 'Wiener Gemischten Satzes' ausmachten, so werden nun immer mehr Burgundertrauben wie Weißburgunder oder Grauburgunder als Leitwein mit bis zu 50% Anteil bevorzugt. Sogar Muskateller und immer öfter auchTraminer-Anteile kommen vor. Was die Weine fülliger, üppiger und runder macht - was aber mit dem klassichen Wiener Wein aus Trans-Danubien, dem frischen und säurebetonten sogenannten "Brünnerstrassler", rein gar nichts mehr zu tun hat.

Wobei mancher Winzer, wie etwa Leopold Karger oder Peter Bernreiter, gleich zwei Weine "Gemischter Satz DAC" im Programm haben. Einen klassischen (bei Klager mit schönen Zitrusanklängen, bei Bernreiter mit zartem Blumenbukett) und einen Lagen-DAC (bei Klager den "Jungenberg" mit intensivem Kräuteraroma, bei Bernreiter den vollmundigen "Gabrissen"). Besonders erwähnenswert auch der 'Wiesenthalen GMS DAC' von Rainer Christ mit feiner Kräuterwürze und frische Grapefruitaromen, elegant und ausgewogen, vielschichtig mit großer Länge im Abgang.

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Wenn aber, wie etwa beim 'Wiener Gemischten Satz DAC Bisamberg' von Karl Lentner oder beim WGS DAC von Hofbauer-Steindl und ebenso bei Ernst Strauch, auch 5% Traminer mit dabei sind, dann sticht dieser hervor und macht den Wein füllig und fruchtig. Damit wird der WGS gefällig, es adelt ihn ein wenig, macht ihn sozusagen salonfähig. Ob ihm das allerdings gut tut, sei dahingestellt. Puristen, die beim Grünen Veltliner DAC nicht auf ihr Pfefferl und beim Wiener Gemischten Satz nicht auf ihre frische Säure verzichten wollen, sind bei Wolfgang Matuska genau richtig: sein biologisch-veganer 'Wiener Gemischter Satz DAC' aus GV, R, WR und SB ist leicht, spritzig und zart fruchtig. Wie der erste Sonnenstrahl an einem Frühlingsmorgen. Ein Versprechen auf mehr.

Text: Christian Stöger
Fotos:Karl Juris

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