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St. Laurent forever

Einen Sponsorabend der Sonderklasse gab es am Freitag, den 17. März 2017 im Ordenskeller. Ritter Engelbert Kitzler hat in seinem Weinkeller gekramt - und 20 Weine der besonders in der Thermenregion und im nördlichen Burgenland vertretenen Sorte St. Laurent präsentiert. Von 1992 bis 2014 in allen Variationen - St. Laurent forever sozusagen. (siehe auch "Wein zum Lesen")

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Die Rebsorte St. Laurent hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Ort St. Laurent im Médoc zu tun. Eine DNA-Analyse, die im Jahr 2000 in Österreich durchgeführt wurde, offenbarte, dass der St. Laurent vermutlich ein Sämling des Pinot Noir ist.. Denn  in puncto Duft, Geschmack, Feinheit und Finesse weist der St. Laurenteine gewisse Nähe zu der burgundischen Nobelsorte auf. Wovon sich die Teilnehmer des Sponsorabends überzeugen konnten. Übrigens soll der Name St. Laurent vom Laurentiustag abstammen, dem 10. August, an dem die Trauben beginnen, sich einzufärben. Knapp 800 Hektar werden in Österreich ausgebaut, was lediglich 1,7% der Anbaufläche entspricht. Möglicherweise deshalb, weil diese Sorte bei den Winzern als "zickige" Sorte verschrieen ist. Anfällig für viele Krankheiten verrieseln die kleinen, kompakten Trauben mit den kleinen Beeren sehr leicht. Aber der Vorteil ist, dass der St. Laurent  am Stock lange stabil bleibt und in Österreich immer zu vollständiger physiologischer Reife gelangt.

Los ging die Verkostung mit dem ältesten Vertreter des St. Laurents an diesem Abend, einem "Ausstich Tattendorf" 1992 mit 12% vom Stift Klosterneuburg. In der Nase doch ziemlich muffig braucht dieser Wein doch einige Zeit, um sein geschmackliches Potenzial zu entwickeln. Der Alterston war allerdings nicht gänzlich wegzubekommen.

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Umso überraschender dann der "Juris" vom Weingut Stiegelmar aus Gols aus dem Jahr 1993. Bei der AWC in London hat dieser Wein 1995 die Goldmedaille gemacht - und somit Engelbert dazu verleitet, trotz des stolzen Preises von damals fast 200 Schilling drei Flaschen zu erstehen. Farbintensiv zeigte sich dieser St. Laurent, mit tollem Weichselaroma, am Gaumen der sortentypische Geschmack nach Ribiseln und dunklen Beeren, überraschte er mit vollem Körper und langem Abgang. Ein erster Höhpunkt des Abends!

Bemerkenswert auch der 1996er "Prestige" vom Weingut Leth in Fels am Wagram, der paralell mit dem 1997er "Spada" von Johann Schwertführer aus Soos verkostet wurde. War der Erstere mit 12,5% zart, elegant und an Burgunderweine erinnernd, so zeigte sich Zweiterer mit 13,5% pflaumig, vordergründig, vollmundig. Klar für Leth ging auch das nächste Doppel aus, und zwar sein "Prestige" 1999 mit 12,5% gegen den "Barrique" 1999 von Hans & Martin Netzl aus Göttlesbrunn. Der St. Laurent vom Wagramn war wieder elegant, rund, balanciert, während der Göttlesbrunner, vollmundig, schwer, kräftig und mit tollem Vanilleton überzeugte. Zwei unterschiedliche Weine bester Qualität am Höhepunkt ihrer Reife.

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Ebenfalls aus Göttlesbrunn begeisterte der St. Laurent Ried Hagelsberg vom Weingut Pitnauer aus DEM Weinjahr 2000 mit 13,5% und Kräuteraromen. Am Gaumen Anklänge an Feige und Schokolade, tiefgründig, vollmundig, sogar etwas rosinig. Kaum einen Unterschied dann zwischen der "Classic" und der "Selection" aus dem Jahr 2001 von Franz & Christine Netzl aus Göttlesbrunn. Beide mit 13%, beide sehr fruchtig, schön balanciert, die "Selection" vielleicht noch etwas kräftiger, breiter. Der ideale Begleiter zum ebenso köstlichen Wildschweinragout unseres neuen "Ordensküchenmeisters Karl Schaffelner (siehe "Karl's Kulinarium" im Mitgliederbereich!)

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Auch die Paarung vom Weingut Glatzer aus Göttlesbrunn des Jahres 2002 überzeugte. "Classic" gegen "Ried Altenberg", beide mit je 13%, war der "Altenberg" ein weiterer Höhepunkt des Abends. Vollreif, vollmundig, satter Weichselton, lang im Abgang.  Vom Weingut Reinisch aus Tattendorf traten dann die "Grande Cuvée" 2001 - unter den Falstaff 30 Besten des Jahres - gegen die "Reserve" 2002 an. Beide 13,5%, beide wieder kräftig, reif, lang. Würdige Vertreter dieser Rebsorte, denen ebenso wie vielen Weinen bisher das Alter (16 bzw. 15 Jahre) in keinster Weise anzumerken war..

Immerhin auch schon zehn Jahre alt waren die nun folgenden 2006er: der Landessieger "Commander" von Robert Keringer aus Mönchhof mit 13,5% und wieder ein "Altenberg" vom Weingut Glatzer aus Göttlesbrunn. Im Unterschied zum 2002er "Altenberg" zeigte sich der 2006 mit ebenfalls 13% noch ein wenig jugendlich, mit guter Säurestruktur.

Ideal zum Dessert - Fruchtschnitte mit Schokolade - dann der St. Laurent "Innere Bergen" vom Weingut Heinzl aus Deinzendorf. Mit 13% vollmundig, die Schoko-Weichselnote ergänzte die Speise perfekt. Trotz seiner Jugend - es handelte sich um einen 2014er - zeigte sich dieser Wein bereits Geschmacksintensiv und konnte mit weitaus älteren Vertretern dieser Sorte durchaus mithalten.

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Ins Finale gingen drei Weine vom Stift Klosterneuburg und ein Überraschungswein, und zwar zuerst die beiden Reserven aus den Jahren 2012 und 2013, mit jeweils 13,5% eher auf der kräftigen Seite. Beides sehr tolle Weine, die "Reserve" 2013 war Falstaff Sortensieger, im Barrique ausgebaut, vollmundig, lang. Beide kosten jeweils € 20,- Danach die "Große Reserve" aus  dem Jahr 2011 mit € 39,- und 14% schon sehr alkohollastig, unglaublich kräftig, dicht, mit schönem, vollen Aroma. Als Überraschungswein gab es zum Abschluss die "Große Reserve" aus dem Jahr 2013 um € 40,- Mit 14% ebenfalls kräftig und dicht zeigte sich auch dieser Wein mit 95 Falstaff-Punkten als sortentypischer, intensiver und mit Freude zu trinkender Vertreter der Sorte St. Laurent. Die an diesem Abend unter Beweis stellte, dass sie oft zu Unrecht links liegen gelassen wird. Ein toller Abend mit fantastischen Weinen - mit einem speziellen Dank von allen an den Sponsor Ritter Engelbert Kitzler.

Text: Christian Stöger
Fotos: Monika Schwedler, Christian Stöger

 

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