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USA: Hauptsache Rot

Am Ende waren wir sprachlos und staunten nicht schlecht über die hervorragenden Qualitäten außergewöhnlicher Weine aus den USA, Hauptsache in Rot - viele davon aus Kalifornien. Die Weinritter des St. Urbanus Ordenskollegiums fanden sich am Dienstag, den 21. Februar 2017, zum bereits 4. Mal zu dieser Blindverkostung in den Kellern des Palais Coburg ein. In insgesamt sechs Gewölbekeller beherbergt das Coburg rund 60.000 Flaschen aus allen Weingegenden der Welt - und aus vier Jahrhunderten.

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Die Anfänge des Weinbaues in Nordamerika gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück - nahezu im Gleichklang mit der Besiedlung europäischer Einwanderer. In der Nähe von Jacksonville in Florida legten im Jahr 1562 Hugenotten die ersten Weingärten an. Der eigentliche Weinbau - wie wir ihn kennen - begann erst 200 Jahre später. In den 1970er Jahren setzte mit der zunehmenden Globalisierung und dem Auftritt von Weinkritikern ein regelrechter Weinboom ein. In die Weingeschichte ging der Sieg eines kalifornischen Rotweines bei einer Blindverkostung ein. Konkret siegte Stag's Leap Wine Cellars aus 1973 über eine Reihe großer Bordeaux's auf der Weinjury in Paris am 24. Mai 1976. Die USA hat sich in relativ kurzer Zeit jedenfalls eine Spitzenposition auf dem internationalen Weinmarkt errungen.

Zum Start gab es bei unserer Verkostung im Palais Coburg zwei Chardonnay, jeweils aus dem Jahr 2010. "Mount Eden Estate", jugendlich mit zartem Holz, kam er sehr sortentypisch mit Frucht und dezenter Säure daher. In der abschließenden Bewertung der verkosteten Weine belegte dieser ex aequo den 3. Platz. Hingegen war der "Ramey" aus dem Russian River mächtig, fleischig, hatte deutliche Säure und schmeckte nach verbrannten Steinen und war mineralisch. Ein Baby - um 10 Jahre zu früh geöffnet.

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Die beiden verkosteten Pinot Noirs könnten mit jedem "Corton Grand Cru" mithalten. "Au Bon Climate" war ein TOP-Wein. Für 2002 sehr jugendlich, mit roten Früchten und noch vorhandenem Säuregerüst. Der Alkoholgehalt von 15% war überraschend gut integriert. In der Gesamtwertung war das dann der 2. Platz. Im gleichen Flight war der "Botanica 2009" von Antica Terra. Sehr jugendlich mit kräftigem Körper, öliger Konsistenz und komplexen Fruchtaromen - ein Langsteckenläufer.

Der Cabernet Franc von Francis Ford Coppola 1982 aus der Magnum passte perfekt zur deftigen Jause. Schön gereift mit intensiver Kräuterwürze und Zwetschke. Der im Anschluss verkostete "Syrah Cailloux 2012" von Cayuse konnte da gut mithalten, als Sorte deutlich erkennbar, sehr eigener Charakter, ein Hauch Eukalyptus, dunkle Aromen und lang am Gaumen. Sicher ein hervorragender Vertreter seiner Rebsorte und Weingegend. Dazu gesellte sich ein Zinfandel 2001 der Mead Ranch von Turley. Extrem, fordernd und mit 16% Alkohol nichts für ein Greenhorn. Erinnert schon etwas an einen Amarone.

Der vorletzte Flight war ein richtiger Leger, was das Alter betraf. Während der Merlot von Beringer aus Howell Mountain, Jahrgang 1993 mit einladender, fetter Merlot-Frucht erste Reife versprühte, kam der Cabernet Sauvignon 1983 (!) von Mayacamas für sein Alter von mehr als 33 Jahre noch sehr jugendlich und kraftvoll daher. In der Tat waren wir in die Irre geleitet. Persönlich würde ich mir vom Mayacamas ein paar Flaschen für die kommenden Jahre gerne weglegen, wenn es noch welche gäbe. Ex aequo am 3. Platz gemeinsam mit dem ersten Chardonnay.

In der letzten Runde gab es zwei 1985er. Ein Wein war der versteckte Pirat. Und siehe da: Viele haben das bemerkt und richtig auf einen Bordeaux linkes Ufer getippt. Der 2. Cru Rauzan-Ségla aus Margaux (55% CS, 45% ME) unterschied sich eindeutig vom Charakter, verglichen mit der bisherigen Serie. Schön gereift, deutlicher Ton nach Leder, Pferdeschweiß, markante Säure und Würze. Und dazu zum Schluss - im wirklich nicht besser choreografisch aufbereitbarem Finale - der eindeutige und überragende Sieger des Abends: Cabernet Sauvignon von Silver Oak aus dem Alexander Valley. Schon der Duft zauberte ein Lächeln ins Gesicht. Dieser Eindruck setzt sich genauso am Gaumen fort: sehr zart, extrem fein-harmonisch, einfach ein eleganter Edelwein, dekantiert und perfekt ins Glas gebracht! Wie schon eingangs erwähnt: Staunend, mit offenem Mund standen wir da, was die USA an Weinen bieten kann!

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Ein Weinprofi, wie er im Buch steht: Wolfgang Kneidinger verdient großes Lob. Als Hüter aller Weinkeller im Palais Coburg und schon in jungen Jahren ein Weinprofi durch und durch führte er uns mit seiner spannenden Weinabfolge durch den lehrreichen Nachmittag. Die Weinritter des St. Urbanus Ordenskollegiums sind mehrere Erfahrungen und Weine reicher geworden. Gut zu wissen, dass wir in einem Jahr die nächste Raritätenverkostung im Palais Coburg planen. Das wird dann die Fünfte. Dann können wir mit Fug und Recht schon von einer zur Tradition gewordenen Veranstaltung sprechen.

Text: Alexander Heider/Engelbert Kitzler
Fotos: Franz Hamersky

 

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