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Burgunder im Coburg

Es war am Dienstag, den 2. Februar 2016, zum 3. Mal soweit, dass die Weinritter des St. Urbanus Ordenskollegiums außergewöhnliche Weine im Palais Coburg verkosten konnten.  In insgesamt sechs Gewölbekeller beherbergt das Coburg rund 60.000 Flaschen aus allen Weingegenden der Welt und aus vier Jahrhunderten - im Wert von über 20 Millionen Euro. Auserlesenes und Seltenes aus dem Burgund stand diesmal auf dem Programm.

20160202 193009 Coburg

Weine aus dem Burgund sind nicht billig, manchmal sogar überteuert. An der Spitze der Qualitätspyramide stehen allerdings große Namen mit Geschichte und langlebigen Weinen. Und wenn wir von langlebig sprechen,. dann reden wir von 20 Jahren und mehr. Aber für weniger versierte Weinfreunde kann Burgund ein Minenfeld mit vielen Fallen im Zusammenspiel von Lagen, Winzern und Weinhändlern sein. Allein die bekannte 50 ha Grand Cru-Lage „Clos de Vougeot“ teilen sich über 70 Winzer. Die Weine unterscheiden sich nicht nur in ihren Ausbau, sondern auch, ob sich die Rebenzeilen näher der Bundesstraße oder höher am Hang befinden. In einer Gegend, in der noch ein Pferdefuhrwerk nach dem anderen geschäftig aus den Weinbergen über die mit Steinen gepflasterten Straßen den heimischen Kellern zu klappert, um die wertvollen Trauben möglichst rasch zu pressen. Von vom Wetter gegerbten und vom Leben geprägten Menschen, alle aber mit einem unverkennbaren Stolz, unaufdringlich, sich der Qualität ihres Produktes aber voll bewußt.

In den Dörfern im Burgund braucht man nicht einmal die Augen zumachen, um sich zwei, drei Jahrhunderte in der Zeit zurückversetzt zu fühlen. Die Autos kann man ganz leicht ausblenden, weil sie ohnehin nicht mit der geschichtsschwangeren Häuserkulisse mithalten können, nicht einmal stören tun sie richtig. Aus dieser Gegend in Frankreich kommt also der Wein, den es im Palais Coburg zu verkosten gab. Das oben erwähnte Szenario - es spiegelt sich im Wein wider – die Landschaft, die Menschen, die Tradition, die Erfahrung, die Lebenseinstellung und der Stolz.

Ja, alle sagen Burgund ist in Sachen Wein kompliziert, ja sehr kompliziert – dabei geht es kaum einfacher! Eine weiße Sorte – Chardonnay, und eine rote Sorte – Pinot Noir, und aus! Das sollte doch nicht so schwierig sein, den Unterschied zu erkennen, oder?

Aber wie so oft liegt der Hund im Detail: Viele kleine Regionen, endlos viele Lagen die auf noch viel mehr Weinbauern aufgesplittert sind und dann noch die Village Lagen, die 1er Crus und letztendlich insgesamt nur etwa 4% der ganzen Fläche die Grand Cru’s... und die wollen dann alle haben! Zum Glück gibt’s da ein paar wirksame Schutzmechanismen gegen den Ausverkauf! Zum einen wird das Allermeiste von den guten Sachen im eigenen Land konsumiert, zum anderen gibt es davon fast immer - nichts! Also nicht viel mehr als ein paar Fässer, wenn‘s viel ist. Und damit sind wir bei der dritten Hürde – dem Preis. Einzelne Spitzenqualitäten beginnen schon am 5-stelligen Eurobetrag zu kratzen, pro Flasche - und nicht gereift wohlgemerkt!

Interessant ist, dass bei uns fast ausschließlich die roten Burgunder bekannt sind, dabei sind es für uns, die wir in Österreich mit ausgezeichneten Weißweinqualitäten verwöhnt sind, gerade oft die Chardonnays, die höchstes Entzücken auslösen. Die guten Qualitäten natürlich ausnahmslos im Holzfaß gereift, bei uns fast ein Sakrileg. Und so hatten wir eine Verkostung, bei der sich die Weißen und die Roten Burgunder die Wage hielten, spannend schon von Beginn weg, 13 Weine insgesamt, hervorragend zusammengestellt von Gastgeber Wolfgang Kneidinger (Geschäftsführer, Dipl.-Sommelier und Weinakademiker der Palais Coburg Weinraritäten GmbH)!

Den Auftakt der Verkostung machte ein Rouget Aligoté Bourgogne aus dem Jahr 2011 mit 12% Alkohol, einer betörenden Nase nach Birne und Honigmelone, mit pflanzlich frischer Säure und einem mittleren Abgang. Diese Weißweinsorte steht im Burgund hinter dem Chardonnay an 2. Stelle und wird für leicht trinkbare Weine gekeltert.

IMG 0377 St. Urbanus-Verkostungsrunde (Foto: Ingrid Hamersky)

Dann folgte ein Chardonnay 2010 aus der Grand Cru Lage Corton-Charlemagne von Domaine Jacques Prieur. Allein die Lage ist schon sensationell – der Corton, ein charakteristischer Berg an der Côte-d’Or mit einer impossanten Höhe von 380 m, erinnert ein wenig an einen Berg mit Irokesenfrisur. Ganz oben noch ein Schippel Wald, dann kommen mittelgute bis gute Lagen, in der Mitte vom Hand dann die Grand Cru Lage und ganz unten dann die einfacheren Village Lagen. Der Wein also: zu Beginn deutliche Kräuter in der Nase, dominat an Kamille erinnernd, am Gaumen leicht mollige Struktur, bleibt sehr lange hängen, langer Abgang. Die Kräuternoten gleiten allmäglich in’s orangige über, wo sie dann auch bleiben. Für die relative Jugend dieses Weines sensationell entwickelt! Mit einem Preis von etwa € 250,- pro Flasche allerdings ein eher seltener Genuss.

Burgund Der Berg Corton mit den Grand Cru-Lagen "Corton" und "Corton Charlemagne" (Foto: Kitzler)

Nach dem Chablis Les Clos Grand Cru 2010 von Fevre William, der eine deutliche Mineralik und noch viel Reifepotential aufwies, folgte ein Chardonnay 1er Cru 2005, Mersault Les Genevriérs von François et Antoine Jobard. Gereiftes goldorange im Glas, wieder der Kräuterduft der ganz langsam zur Orange übergeht, geht am Gaumen wunderschön auf, salzige Noten auf der Lippe, ein wenig Haselnuss und Mandel. Ein sehr schön gereifter, entwickelter feiner Wein, hat allerdings nicht ganz den letzten Schliff für einen edlen Tropfen. Der Preis ist mit € 135,- dennoch stolz.

Es folgte der Mersault Poruzots 1er Cru 2002 von Mikulski, der mit einem reifen Bananenaroma und dem Geschmack nach gebrannten Nüssen und Mandeln begeisterte. Ein eleganter, fülliger Wein. Als Überraschungswein des Palais Coburg gab es dann aus der Magnum-Flasche einen 1er Cru 1996, Mersault-Genevrieres von Domaine Bouchard. Im Aroma reife Ananas, elegante, reife Früchte am Gaumen, mit 13,5 Volumsprozent wirkte dieser Wein jünger als er ist, was wohl auf die Magnum-Flasche zurückzuführen ist. 

Der mit Sicherheit als "Star des Abends" unter den weißen Burgundern bezeichnete Wein war dann der Chardonnay 1er Cru 1996, Puligny-Montrachet ‚Les Pucelles‘ von der Domaine Levflaive. Ein extrem präziser und typischer Eindruck (Selchspeck, Schleifstein, Zündholz, Mineralik), volles, kompaktes, kaum zu zerlegendes Aroma, geht harmisch von der Nase in den Gaumen. Einfach ein Wein der edelsten Art! Kein Wunder, bei € 490,- pro Flasche.

Unzweifelhaft der beste rote Burgunder dieser Verkostung und der vielleicht überhaupt beste Wein des Abends war der Pinot Noir Grand Cru 1998, Chapelle-Chambertin von Louis Jadot. Extrem präzise und typisch (Würze, Zimtrinde), sehr schöne und allerfeinste Frucht, in Würde gereift, bleibt wunderbar lange haften, sehr feiner Wein! Um den Preis von € 190,- schon fast eine Okkasion!

IMG 0376 (Foto: Ingrid Hamersky)

Insgesamt war die Verkostung ein wunderbarer Querschnitt durch die Weine des Burgund. Was als Kontrapunkt zum Puligny-Montrachet vielleicht noch gefehlt hat, war ein wirklich gereifter Pinot Noir der edelsten Art, mit dem so typischen Veichenduft - aber irgendwo sind dann auch die preislichen Grenzen erreicht!

Es hat einmal ein alter Weinkenner zu mir gesagt, daß jeder zu den Burgundern zurückkehrt, nachdem er alle Weinsorten durch hat. Also gibt es nur zwei Arten von Weinliebhabern: die, die schon bei den Burgundern sind - und die, die noch am Weg dorthin sind!

Text: Engelbert Kitzler/Alexander Heider

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