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Auf einen schaurig-interessanten Spaziergang durch die Wiener Blutchronik hat am Samstag, den 30.10.2021 das Konventikel Wiener Weinberge eingeladen. Beginnend Am Hof hat Stadtführer Wolfgang Horak zuerst die ziemlich drakonischen Bestrafungen des Mittelalters geschildert. Denn hier, wo heute in der ehemaligen Länderbankfiliale ein Luxushotel seine Türen geöfnet hat, stand  einst die Burg der Babenberger. Und davor, nämlich "Am Hof", befand sich auch der Turnier- und Richtplatz. Hier wurden Todesurteile vollstreckt. 

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Besonders beliebt war am mittelalterlichen Richtplatz Am Hof übrigens das Vierteilen. Weil die menschliche Haut aber ein sehr elastisches Organ ist, hat man den Hinzurichtenden vorher an den Schultern und in der Beuge die Haut eingeschnitten. So klappte das Auseinanderreißen der Körper dann gleich viel besser. Solche und ähnlich drastische Schilderungen jagen einem noch heute Schreckensschauer über den Rücken. Nicht so damals, denn die Hinrichtungen fanden bis zu Josef II. durchwegs öffentlich statt - zum Gaudium hunderter, später sogar tausender Zuschauer. Dabei wurden sogar eigene Programme verkauft, damit die Zuseher auch wußten, wer da eigentlich wofür sein Leben lassen musste.

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Wien verfügte, wie die interessierte Gruppe der Urbanus-Weinritter erfuhr, über zahlreiche verschiedene Hinrichtungsstätten:

     Am Hof, heute 1. Bezirk, 15. und 16. Jahrhundert, wie etwa die Hinrichtung von Bürgermeister Wolfgang Holzer mit einigen seiner Anhänger durch Vierteilen im Jahr 1463
     am Tabor (Alter Tabor, heute 20., Gaußplatz) Hinrichtungen durch Ertränken auf der damaligen Donaubrücke
     Gänseweide (heute 3., Weißgerberlände) Hinrichtungen meist durch Verbrennen, wie etwa 1583 Elisabeth Plainacher als Hexe (übrigens die einzige Hexenverbrennung in Wien) 
     Schweinemarkt (heute 1., Lobkowitzplatz) Hinrichtungen durch Hängen
     am Rabenstein (heute 9., Schlickplatz)

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     und auch am Wienerberg, wo Hinrichtungen durch Erhängen durchgeführt wurden. Am 23. März 1747 wurde aber auf Befehl von Maria Theresia der Galgen vom Wienerberg auf den Rabenstein in die Rossau versetzt. Sie wollte ihn und vor allem die dort hängenden Leichname bei ihren Fahrten nach Laxenburg nicht sehen. Hinrichtungen wurden dort meist durch Hängen und Rädern, aber auch durch das Schwert durchgeführt. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus den Jahren 1311 und 1488. Damit man einen besseren Eindruck davon bekam, wie so ein Richtschwert funktionierte, hatte Wolfgang Horak auch gleich eines aus seiner Sammlung mitgebracht.
 
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Die Todesstrafe wurde erst unter Kaiser Josefs II. 1780 abgeschafft, um gleich danach von Kaiser Franz I. wieder eingeführt zu werden. Der letzte in Österreich hingerichtete Verbrecher war übrigens Raubmörder Trnka, der 1950 am Galgen im Landesgericht sein Leben ließ.
 
Nach einem Spaziergang durch die Gassen des mittelalterlichen Wiens und vielen schaurigen Kriminalgeschichten langte die Gruppe am Kai und beim ehemaligen Standort des Hotel Metropol am Morzinplatz an. Hier befand sich das größte Hotel der Stadt, das von den Nazis 1938 zur größten Gestapo-Zentrale des Dejtschen Reiches umfunktioniert worden war. Nach der Zerstörung durch Bombentreffer im Jahr 1945 steht hier heute ein modernes Wohnhaus. Lediglich eine Gedenktafel erinnert an die Gräuel und die Opfer der damaligen Zeit. Da passte auch die Geschichte der Judendeportationen aus der Leopoldstadt sehr gut ins Bild der damaligen Zeit. 65.000 jüdische Wiener sind von den Nazis deportiert und ermordet worden. Die meisten aus der heutigen Leopoldstadt, die früher eine große Donauinsel war, die aufgrund der jüdischen Bevlkerung auch unter dem Namen Mazzesinsel bekannt war. Und hier endete der Wiener Rundgang im Kriminalmuseum in der großen Sperlgasse.
 
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Noch einmal tauchten wir hier anhand von Schaustücken und teils sehr drastischen Bildern ein in die Wiener Blutchronik, die ab etwa 1900 durch Tatort-Fotografien besonders plastisch dargestellt wird - und nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Viele Fälle, viele Schicksale, viele Dramen werden hier wieder lebendig. Bei einem abschließenden Häfnkaffee mit Gitterkuchen konnte man all diese Geschichten und Eindrücke noch einmal Revue passieren lassen. Wer sich in diese Materie noch weiter vertiefen möchte, dem sie die Kriminalgeschichte der Stadt, zusammengetragen im Wiener Pitaval, empfohlen.
 
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Text und Fotos: Christian Stöger
 

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