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Auf mehr als 13.000 m2 wachsen in Fels am Wagram in der Riede Floss mehr als 220 alte Rebsorten. Es ist der wohl größte Rebsortenweingarten Österreichs, den Franz Leth sen. seit dem Beginn der 1990er Jahre hier angepflanzt hat. Jeweils 15 Rebstöcke bilden nicht nur einen interessanten Genpool für die Rebenzüchtung, sondern sind auch ein unschätzbares Erbe. Knapp 30 Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums konnten sich am Samstag, den 7.9.2019, nicht nur in den Rieden von der Unterschiedlichkeit der reifen Trauben überzeugen, sondern auch 19 dieser alten, weitgehend unbekannten aber dennoch wohlschmeckenden Sorten wie etwa der Petersilien-Gutedel (siehe Foto) verkosten.

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"Während es in den Weinbauschulen nur 1-2 Rebstöcke der alten Sorten gibt, habe ich mindestens 15", zeigt sich Franz Leth sen. stolz auf seinen Schatz. Seit 1998 macht er auch Wein daraus. "10-12 Liter von manchem Stock, von anderen bis zu 60 Liter." Etwa 150 Weißweinsorten und 60-70 Rotweinsorten hat er in den vergangenen 30 Jahren gesammelt, "Anfangs habe ich Zeitungsannoncen aufgegeben, um alte Reben zu finden. Dann hat man mir immer wieder Tipps und Hinweise gegeben." Oft fand er auf Böschungen hinter Presshäusern ein paar Stöcke wie etwa des Martinirieslings aus Retz oder des Kadarka aus dem Burgenland. "Während die Rieden oft gerodet worden sind, haben sie auf den Gstetten überlebt. Ich habe sie dann veredelt und vermehrt."

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Wie etwa den "Lämmerschwanz", so benannt nach der Form der Traube, oder die Orangentraube, die riesige Königstraube aus Ungarn (siehe 3. Foto oben), die Geisdutten, der Affenthahler aus Deutschland, der in einem Sketch des bayrischen Komikers Karl Valentin aus den 1930er Jahren vorkommt, oder die süsse Passatuti-Traube aus Italien. Es war ein Kosten, Schmecken und Staunen auf dem Weg durch die beschrifteten Rieden, das die Urbanus-Weinritter genießen konnten.

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In der Kellergasse dann die nächste Überraschung. Franz Leth sen. öffnete seine Wunderkammer, die ein wenig an alte Alchimistenstuben erinnerte, wo im alten Weinkeller die unterschiedlichsten Sorten in Glasballonen vergoren und vinifiziert werden - und in kleinen 1/2 Liter Flaschen peinlichst genau beschriftet lagern. Und auf Fachleute und Wissenschaftler aus aller Welt warten, die einen einmaligen, sonst nirgendwo möglichen Genuss an Vielfalt alter Weinsorten vorfinden. Eine Arbeit, für die der Winzer auch mit dem silbernen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet wurde - für Verdienste um den Wein.

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19 dieser alten Sorten gab es dann auch zu verkosten. Besonders erwähnenswert dabei der "Grünling", ein sehr spritziger Weißer vom Wagram, wo er früher die Leitsorte war. Oder der "Grobriesling", vor dem Ersten Weltkrieg die Leitsorte der Wachau. Fruchtig und süffig der "Kurzstingler", zart und fein die "Königin der Weingärten", trinkfreudig der 1870 im Südbahngebiet weit verbreitete "Beerheller", süß und fruchtig der Muskat-ähnliche "Passatuti" aus Italien, eine Fruchtbombe der Grüne Traminer aus Deutschland.

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Nicht minder überraschend die Roten wie der schwarze Riesling aus Deutschland, der sehr pflaumige schwarze Kadarka aus Ungarn, der sehr kräftige blaue Affenthaler, der intensiv nach Paprika riechende und schmeckende Schaibkern oder der Limberger, der Lieblingswein von Maria Theresia. Und dann gab es noch den "Simply Wow", den Gemischten Satz aus 200 verschiedenen Sorten - ein gemischter Satz der Superlative, unglaublich vielschichtig und facettenreich, den es beim Terassenheurigen Weinzigartig in der Feuersbrunner Kellergasse zu trinken gab.

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Bei Aufstrichen, Schinken-, Wurst- und Käseplatten mit aktuellen Leth-Weinen wie dem GV 2018 Ried Scheiben und dem Roten Veltliner 2018 Ried Scheiben fand der aufschlussreiche Ausflug an den Wagram seinen Abschluss. Mit vielen neuen Geschmackseindrücken und dem Wunsch, den einen oder anderen Wein aus diesen alten Sorten vielleicht wieder einmal verkosten zu dürfen. Und treffender als Weinritter Erwin Zugschwert kann man es wohl kaum ausdrücken:
"Am Wagram draußt ein Felsen steht: das Urgestein, der Hauer Franz Leth.
Er müht sich ab von früh bis spät, er züchtet Wein-Kuriosität
und restauriert Reb-Antiquität.
An seinen Weinstöcken besteht manch alte Reben-Rarität -
Vergangenheit, die nicht verweht. Drum schließen wir ihn ins Gebet:
den Weinhistoriker Franz Leth!"

Text und Fotos: Christian Stöger

 

 

 

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