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Auf der Suche nach dem Code

Es  ist eines der wohl berümtesten Wandgemälde der Welt, das "Letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci. In der Wiener Minoritenkirche hängt seit 1814 eine Mosaikkopie dieses Bildes in den Originalmaßen, angefertigt vom italienischen Künstler Raffeli. Das St. Urbanus-Weinritter Ordenskollegium begab sich am 23. März 2019 mit Stadtführerin Gabriela Lukacs auf eine mysteriösen Spurensuche.

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"Es ist ein Bild, das jede Menge Rätsel aufgibt", erzählt uns die Wiener Stadtführerin Gabriele Lukacs. Das in der Seccotechnik ausgeführte Werk wurde in den Jahren 1494 bis 1497 im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza geschaffen und schmückt die Nordwand des Refektoriums des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand. Und gilt als Höhepunkt in Leonardos malerischem Schaffen. 1805 gab Napoleon nach der Eroberung Mailands den Auftrag, dieses Wandgemälde zu kopieren. In Moskaik, um es leichter nach Paris transportieren zu können. Doch es wurde erst fertig, als Napoleon bereits ind er Verbannung auf Elba war - und so blieb es vorerst in Mailand. Bis es Kaiser Franz erwarb und nach Wien in die Hofbrug transportieren ließ. Weil aber dort die Türen zu klein waren, kam es 1814 in die italienische Staatskirche von Wien, in die Minoritenkriche. Wo es sich bis heute befindet. Und wie im Original kann man hier gut jene mehr oder weniger versteckten Hinweise entdecken, die Dan Brown 2003 zu seinem Erfolgsroman "Sakrileg - Auf den Spuren des Da Vinci-Codes" inspiriert haben.

"Da wäre zuerst einmal die augenscheinlich nicht männliche Figur an Jesus vom Betrachter aus linker Seite," deutet Gabriela Lukacs auf einen der zwölf Jünger. Und tatsächlich sieht dieser "Mann", angeblich der Jünger Johannes, so gar nicht männlich aus. Es könnte nämlich Maria Magdalena, möglicherweise Jesus Frau, sein. Es handelt sich zwar um das letzte Abendmahl, aber es sind keine Trinkgefäße für das Blut Christi zu sehen. "Die Theorie ist, dass Maria Magdalena der Heilige Gral, das Gefäß mit dem Blut Christi ist", so Lukacs. "Denn sie ist schwanger, trägt also Christi Blut in sich. Nach der Kreuzigung soll sie nach Frankreich geflohen sein, dort das Kind zur Welt gebracht haben, und so die sogenannte Blutlinie Christi begründet haben."

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Die Temperlritter oder Templer hätten dieses Geheimnis gehütet, worauf die zentrale Anordnung des Bildes hindeutet. Denn der Mittelpunkt ist nicht auf der Stirne Jesu, sondern auf seiner Schläfe, was in den romanischen Sptrachen "tempel" bedeutet. Ein Hinweis Leonardos auf die Templer? "Nach der Vernichtung des Ordens behaupten 350 n.Chr. die Merowinger, von dieser Blutlinie abzustammen und Nachfahren Christi zu sein. Dann folgen die Karolinger, die Lothringer und schließlich die Habsburger. Das könnte auch der Grund dafür sein, warum Kaiser Franz dieses Bild nach Wien geholt hat", mutmaßt die Stadtführerin.

"Weitere versteckte Hinweise sind die 12 Apostel, bei denen es sich eigentlich um Sternbilder handeln könnte. Leonardo ist, einem seiner bekannten Selbstporträts ähnlich, der zweite Mann von rechts. Sein Geburtsdatum ist der 15.4.1492. Nach der Kalenderreform, die zehn tage wegließ, ist es eigentlich der 25.4., also ist Leonardo im Sternzeichen Stier geboren. Wenn man dem nun folgt, ist rechts davon Widder usw. Maria Magdalena wäre demnach Waage - ein Sternzeichen, das mit dem Planeten Venus, der Liebesgöttin gekoppelt ist. Ein weiterer Hinweis auf Jesus Frau?"

Immer rätselhafter werden die Codes, wie etwa die Hände und Brotkörbe, die Noten darstellen könnten. Und wir vom Weinritterorden sind schon ganz benommen von diesen abenteuerlichen, aber einer gewissen Glaubhaftigkeit und Logik nicht ganz entbehrenden Geschichten. Nach weiteren Geschichten über Tempelritter, Blutlinien, Freimauerer und andere Mysterien sind wir bereit, bei Franz Artner am Michaelerplatz uns in den Kellergewölben mit einem Welschriesling-Sekt zu laben. Um dann einige Weine des Weingutes aus Carnuntum, das 40 ha bewirtschaftet, wovon etwa 60% Rotwein ausgebaut werden, zu verkosten.

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Los geht's mit dem Gemischten Satz "Spazierer" 2018 mit 12% (60% GV, 20% MU, 10% WB, 10% WR), mit Aromen nach grünem Apfel und reifen Birnen, leicht und spritzig. Ebenso der GV "Klassik" 2017 mit 12%, einer Riedencuveé mit schönem Pfefferl und Paprikanoten. Cremig, nussig, fruchtig dann die GV Reserve "Steinäcker" 2016 mit 13,5%, die drei Monate im alten Holzfass gereift ist.

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Der "Massiv A weiß" ist der Paradewein von Franz Artner, ein Chardonnay Barrique 2016 mit 14,5% aus 20 Jahre alten Reben. Cremig, füllig, vollmundig. In alten und neuen Barriquefässern gereift ist der der Rubin Carnuntum 2016, ein typischer Zweigelt mit 13,5%. Den Abschluss bildet dann der "Amarok" 2016 (40% ZW, 25% BF, 15% SY, 10% M) mit 14% aus der Magnumflasche. 22 Monate im neuen Barrique gereift zeigt sich dieser Wein noch jugendlich, dennoch mit schönem Beerenaroma und viel Tiefe.

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Ein geheimnisvoller Nachmittag mit dem Konventikel Wiener Weinberge, voller Mysterien und Rätsel. Nicht rätselhaft blieben hingegen die verkosteten Weine, die zu einem Besuch im Weingut Artner animiert haben.

Text und Fotos: Christian Stöger

 

 

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