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Kellergasse im Wandel

Etwas über den Wein in seiner ursprünglichsten Form - im Weingarten - zu lernen, dazu waren 18 weinbegeisterte WeinritterkollegInnen und Gäste am Freitag den 10. August nach Feuersbrunn am Wagram gekommen. Das Konventikel Niederösterreich hatte eingeladen, dem Thema Wein sinnlich zu begegnen. Dazu gehörte sowohl eine Riedenwanderung, eine Führung durch den Sortenweingarten, sowie ein weitschweifender Blick von den Weingärten über das Tullnerfeld und kulinarische und vinophile Genüsse in der Kellergasse. Wofür sowohl Neumitglied Dipl.Som. Ing. Andrea Öhlzelt als auch NÖ-Prior Rudi Bründlmayer sorgten.

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Los ging's mit einem Begrüßungssekt sowie Brötchen mit hausgemachten Aufstrichen bei Andrea Öhlzelt im Weinberg-Heurigen in der Feuersbrunner Kellergasse. Die anschließende Regenpause wurde zur Vorstellung des Weingutes Öhlzelt unterm Nußbaum im Sortenweingarten genutzt! Liebevoll angelegt, hat Andrea Öhlzelt, die Diplom-Sommelier und Lehrerin in der Weinbauschule Krems ist, versucht, unsere Wissenslücken betreffend des kurzstieligen Neuburgers, des widerstandfähigen Rieslings, des sensiblen Grünen Veltliners oder des anpassungsfähigen Chardonnays zu verringern. Wobei sie fachkundig die verschiedenen Rebsorten, die Unterschiede in Triebspitze, Stielbucht, Stiellänge, Kreuzungspartner, Reifestadien erklärte.

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Zusätzlich gab es die Sortenunterschiede auf Tafeln bei jeder Sorte nachzulesen. Durch naschen und kosten der unterschiedlichen Weiß- und Rotwein-Trauben konnte man bereits die Unterschiede erschmecken. Interessant, dass selbst der GV und RR schon Anfang August reif waren! Am Vormittag war im Weingut bereits der GM mit 15,5 KMW gelesen worden - gut drei Wochen früher als letztes Jahr, und das war schon früh! Wer glaubt, der Klimawandel ist Fake-News, der möge einmal mit einem der Winzer reden…

Anschließend ging's durch die Kellergassen und Rieden Stiegl, Bründlgraben, Rosenberg und Nußberg. Dabei gab's interessante Gespräche über die Zukunft der Kellergassen, dem politischen Rahmen zwischen dem Bewahren der Traditionen sowie den modernen Anforderungen und Bedürfnissen. Auch hier in Feuersbrunn gibt es immer weniger aktive Winzer, und ohne entsprechende Weinliebhaber und ihren Investitionen würden viele Presshäuser dem Verfall preisgegeben.       

So ein Beispiel ist auch der gerade renovierte Keller unseres Priors Rudi Bründlmayer, dem obersten Keller am Nußberg, mit fantastischem Ausblick über die Weingärten bis zum Schneeberg und Ötscher. Die Innenrenovierung ist bereits abgeschlossen, die Außenfassaden folgen im Herbst. Die Einweihung wird im Frühjahr 2019 stattfinden. Gerade rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer fanden wir hier Zuflucht. So ein Keller ist dann wahrlich auch ein Kraftort, wo sich Rudi fallweise mit Hund, Zigarre und dem einen oder anderen Gläschen zurückzieht um über die wichtigen Dinge im Leben zu meditieren. 

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Dann ging's ans erste Verkosten: GV, RV, GS, SB, RR und CH. Helga Bründlmayer fungierte dabei als Shuttleservice, um die Gäste im Trockenen zum Weinbergheurigen Öhlzelt zu chauffieren. Begleitet von einer herzhaften Heurigenjause kamen dann die Öhlzelt-Weine an die Reihe: 

Zu Beginn einen Roten Veltliner 2017, der hier noch unter ‚Hietl-Roter‘ bekannt ist, weil sich Franz Hietl (1898 – 1980) ganz besonders dieser Sorte am Wagram angenommen hat. Bei 12,5% Alkohol gar nicht leichtfüßig, sehr charakteristisch und trotzdem schwierig zu beschreiben, eigenwillig, zart nach Mandeln und einem animalischen Hauch, mittellang, auf jeden Fall einer der schönen Vertreter dieser Sorte am Wagram.

Der Riesling Rosenberg 2017, 12,5%, sauberer typischer edler und feiner Duft, schöne Fruchtigkeit, straff, schönes Frucht-Säure Spiel mit guter Länge, ein würdiger und typischer Vertreter dieser Sorte.

Der Grüne Veltliner Rosenberg 2017, schon mit 13,5 Alkohol, mit feinen typischen grünen Noten, sehr sauber gemacht, kräftig und trotzdem zart und nicht aufdringlich, schöner Trinkfluß!

Chardonnay Ried Rosenberg 2017, 13,5%, sehr schöner Duft nach den reifen Trauben, kräftig, rund und harmonisch.

Roter Veltliner Gutsreserve 2016, 13%, deutlich intensiver noch als der erste Rote Veltliner, beginnende Trinkreife, sehr feine Frucht, sehr harmonisch, großes Reifepotential, Meditationswein! Wagram zum Trinken!

Grüner Veltliner Rosenberg 2015, 14,0%, hat schon gute Reife, Anklänge nach Honig und Butter, ‚fett‘.

Grüner Veltliner Gutsreserve 2015, 13,5%, sehr sauber und typisch, erste Trinkreife, überzeugendes Frucht- Säurespiel.

Zum Schluss gab’s noch einen Zweigelt Reserve Barrique 2012, 13,0%, für seine 6 Jahre erstaunlich jugendlich, deutliche aber fein integrierte Holznote, ein schönes Beispiel, dass es auch am Wagram gute Rotweine zu entdecken gibt!

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Eine Kellerführung im unterirdischen Teil mit Holzfässern für die Rotweinbereitung und anschließenden gemütlichem Ausklag rundeten einen wunderbaren Nachmittag ab.

Zum Schluss noch ein Danke an das Konventikel Niederösterreich, das es trotz widriger Umstände wie dem  Wetter oder begrenzten Interesses unserer Mitglieder wieder geschafft hat, eine gelungene Mischung an Genuss, Aktivität und Kultur zusammenzustellen. Zumindest lässt die Intensität der geführten Kommunikation darauf schließen. Beim Essen und Trinken kommen die Leute zusammen – hier am Wagram ganz besonders! Das Geheimnis und die Kraft der Langsamkeit sind sicher ein Teil des Charmes, den die Keller ausstrahlen, auch wenn schon der Wind der Smartphone-Generation durch die Kellergasse weht – Kellergasse im Wandel halt. 

Text: Engelbert Kitzler, Rudi Bründlmayer
Fotos: Gottfried Wanderer, Ingrid Hamersky

 

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