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Im südlichsten Weinviertel Empfehlung

Dort, wo sich der Rochusberg als erste Erhebung aus dem Tal der March und den Donauebene erhebt, beginnt der Weinanbau im südlichsten Teil des Weinviertels. Rund um Mannersdorf/March führte die Weinreise des Konventikels Wiener Weinberge des St. Urbanus Ordenskollegiums am Samstag, den 14.7.2018, an der 14 Personen teilnahmen. Und die neben dem Weingut Lehner auch zu zwei Preisträgerinnen des NEWCOMER-Awards führte, zu Angelika Lobner (Platz 1 2017 und Platz 1 und 2 im Jahr 2014) und Agnes Minkowitsch-Lehner (Platz 1 und 2 im Jahr 2013).  

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Von Wien-Floridsdorf ging es im super-komfortablem VIP-Reisebus durch das Marchfeld in den 800 Einwohner zählenden Ort Velm-Götzendorf zur ersten Station, zum WG Lehner.  Ein klassischer Mischbetrieb mit 11 ha Weinanbau, um den sich Lukas kümmert, und 130 ha Landwirtschaft (Mais, Zuckerrüben, Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Erbsen und Soja), die seine Eltern bewirtschaften. Lukas hat in der Weinbauschule Klosterneuburg NEWCOMER-Siegerin Agnes Minkowitsch kennen und später auch lieben gelernt. 2015 wurde geheiratet. Beide betreiben mittlerweile die elterlichen Weingüter, jeder vertritt seine eigene Linie, wie wir später bei Agnes auch erkennen konnten.

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80.000 Flaschen produziert Lukas Lehner heute im Biobetrieb, von denen wir einige verkosten durften. Besonders erwähnenswert ist dabei der GV November 2017 aus 40 Jahre alten Reben. Ausgebaut im alten Holzfass ist das mit nur 12,5% Alkohol ein dennoch wuchtig-fruchtiger, harmonischer Wein mit sattem Birnenaroma und zarten Nusstönen. Ein Wein zum Lagern, wie wir anhand des GV November 2015 und 2013 feststellen durften. Wobei der 2013er mit 13% und intensivem Goldgelb sich perfekt trinkreif präsentierte, mit intensivem Holz und starkem Honig- und Mangoaroma.

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Aber auch die Lehner-Rieslinge verstanden zu begeistern. Neben dem Riesling vom Schotter mit klarer Mineralik war es die Vinothekabfüllung 2015 mit 13%, die frisch-fruchtig im Duft und sich perfekt balanciert zwischen Säure und Frucht im Glas zeigte. Der Jahrgang 2012, im Salon vertreten, zeigte sich mineralisch, kräftig und als sortentypischer, toller Riesling. Nicht unerwähnt soll auch die Chardonnay-Reserve 2016 bleiben, mit 13,5% in Barrique-Fässern aus amerikanischer Eiche gereift. Mit dem Duft nach Vanille. am Gaumen rund und füllig.

Im 12 km entfernten Mannersdorf/March stärkte sich unsere Gruppe beim Mittagessen im Gasthof "Zur Traube", um anschließend das WG Lobner zu besuchen. Die diesjährige NEWCOMER-Siegerin Angelika Lobner war zwar auf Urlaub, aber ihre Eltern, Herbert und Martina Lobner, hießen unsere Gruppe ganz herzlich willkommen. Im gemütlichen Innenhof des Weinguts wurden die besten Weine verkostet, darunter der "Vollmondwein", ein gemischter Satz aus Sämling, CH, RR, GV. Erstmals 2001 bei Vollmond gelesen ("Damals haben mich einige Gäste dazu gedrängt", erzählt Herbert Lobner, "und ich hab's halt gemacht. Das Ergebnis war verblüffend.") ist er zum fixen Bestandteil des WG geworden. Gelesen wird mit Stirnlampen, danach gibt's Kesselgulasch am Lagerfeuer. Und der Wein zeigt sich jedes Jahr als perfekt balanciert, fruchtig und elegant. Wovon wir uns beim 2017er überzeugen konnten.

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Elegant und kräftig dann der Pinot blanc 2017 mit 13%. Deutliches Birnenaroma, im Abgang lang und anhaltend. Da Angelika diesen Sommer heiraten wird, ist dies der vom jungen Paar ausgewählte Hochzeitswein. Laut ihrem Vater Herbert "ein Wein, der wie ihre Beziehung reifen soll und mindestens 20 Jahre haltbar ist." Kräftig und mollig auch der CH 2017 mit 13,5% und deutlichem Bananenaroma. Mit süßer Frucht, kräftig und lang präsentierte sich der Bernsteinwein, eine Cuvée aus PB, CH, GV. 12 Bernsteinwinzer gibt es in der Region, die den Wein aus sechs Leitsorten verschiedenartig zusammensetzen. Mit gleichem Etikett in der Burgunderflasche verkauft soll dieser Wein auf die Region aufmerksam machen. Er ist quasi der Botschafter für Mannersdorf.

Die Obfrau der Bernsteinwinzer ist übrigens Agnes Minkowitsch-Lehner, die wir zum Abschluss im Familienheurigenlokal am Rochusberg besuchten. 2015 hat sie Lukas Lehner geheiratet, 2016 den elterlichen Betrieb mit 7,5 ha ganz übernommen. Zuerst ging's hinauf durch den Weingarten zur Rochuskapelle. Sie steht auf dem ältesten Kulturboden Österreichs, denn seit der Altsteinzeit (30.000 v.Chr.) ist hier Besiedelung nachgewiesen. An der Stelle der heutigen Kapelle befand sich eine vorchristliche Kultstätte, später ein Wehrturm, danach eine 1648 eingeweihte Pestkapelle. Zuletzt 1976/77 um 1,5 Mio. Schilling generalsaniert ist sie heute das Wahrzeichen von Mannersdorf - und findet sich auch den Flaschenetiketten von Agnes Minkowitsch-Lehner wieder.

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Direkt unterhalb der Kapelle wächst der GV Ried Rochusberg, der ein ausgeprägtes Fruchspektrum nach reifen Birnen und Quitten zeigt. Kräftiger und gehaltvoller als der GV Weinviertel DAC bei dem sich gelber Apfel mit feiner Pfefferwürze zum klassischen Veltliner paart. Agnes Bernsteinwein ist eine Cuvé aus 50% CH, 30% GV und 20% WB, mit deutlichen Steinobstaromen, viel Fruchtschmelz und Eleganz im Abgang. Dicht und vielfältig dann der RR Alte Reben, mit Marillenfrucht und feiner Säurestruktur, cremig mit tollem Reifepotential.

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Zur kräftigen Brettljause dann die Rotweine, der immer öfter neu entdeckte Rösler. Der Jahrgang 2015 zeigte sich kräftig, aber sehr extraktreich, mit markantem Tannin und Potential für einige Jahre. Was auch für den "Amare", den Kennenlern-Wein von Lukas und Agnes, gilt. Kreiert aus den besten Sorten der beiden Jungwinzer, ZW, M, RÖ, BB, CS. Kräftig, vollmundig, mit dunkelbeeriger Frucht und ausgeprägten Vanille- sowie Röstaromen, zusammengestellt aus ausgesuchten Fässern. Ein würdiger Abschlusswein einer interessanten und aufschlussreichen Weinreise ins südlichste Weinviertel.

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Text und Fotos: Christian Stöger