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15 reife Österreicher

Wegen der großen Nachfrage gab es heuer zwei Mal eine deckungsgleiche Verkostung im größten Weinkeller Europas, im Wiener Palais Coburg. Am 26. und 27.2.2018 wurden jeweils von 13 Mitgliedern des St. Urbanus Weinritter Ordenskapitels 15 gereifte Weiß- und Rotweine aus Österreich verkostet. Geführt von Kellerchef Wolfgang Kneidinger und Somelier Lukas Krenn erlebten sie bei der Bilndverkostung so manch positive Überraschung. Wobei die Verkoster beim Erkennen der Sorten und Regionen oft richtig lagen, bei den Jahrgängen gab es teils große Abweichungen. Viele der Weine waren deutlich älter als vermutet.

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Vorneweg sei erwähnt, dass sich alle Weine von höchster Qualität und Reife zeigten, die Weißen goldgelb schimmernd, die Roten in kräftigem Rubin. Und es war nur wenig überraschend, dass sich fast durchwegs große Namen der heimischen Weinszene unter den verkosteten Winzern befanden. Anhand dieser Verkostung wurde deutlich, warum das so ist: denn die bekannten Winzer verstehen es, über Jahrzehnte die gleiche hohe Qualität zu bieten. Auch nach 30 Jahren zeigen sie sich kräftig, vollmundig und bieten mit jedem Schluck einen Genuss. Und noch eines wurde klar: viele der heimischen Top-Produkte werden einfach zu jung getrunken. Denn oft entfalten sie erst nach 20 und mehr Jahren ihr volles Potential. Das zeigte sich auch gleich beim Einstiegswein, dem SB 1994 von FX Pichler aus Oberloiben mit 13%. Kräftig in der Nase, volle, reife Frucht nach Holunderblüte, schöne Restsüße.

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Es folgten der WB 1988 vom Nikolaihof aus Mautern aus der Magnumflasche mit 12%, im großen Holzfass ausgebaut, mit schönem Honig- und Mangoaroma, und danach ging es in Zweierflights weiter: zwei Rieslinge, ebenfalls aus dem Jahr 1988, der "Heiligenstein" vom WG Willi Bründlmayer aus Langenlois und der "Loibenberg" vom WG Alzinger aus Unterloiben. In der Vergleichsabstimmung lag der "Heiligenstein" dabei deutlich voran. Danach zwei GV, und zwar der 1993er vom Nikolaihof und der "Honivogl" 1997 vom WG Hirtzberger aus Spitz. Ersterer 15 Jahre (!) im Holzfass gereift, mit 12,5% eine breite, fruchtige Bombe, Zweiterer im Tank ausgebaut, kräftig und exotisch, eine Legende!

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Dann wieder zwei Rieslinge, beide aus dem Jahr 1990, und zwar der "Loibenberg" Smaragd vom WG Knoll mit dem typisch-bunten St.Urbanus-Etikett aus Unterloiben und der "Kellerberg" von FX Pichler, der hier klar die Gunst der Verkoster hatte. Aber auch hier beides sehr außergewöhnliche Weine. Was auch für die beiden nächsten vom WG Tement aus der Südsteiermark zutraf: ein SB "Zieregg" Reserve 1999  und der Morillon "Zieregg" Magnum 1997. Beide mit 14%, beide im Barrique ausgebaut, beide von schöner Reife und tiefem Körper.

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Eine echte Weißwein-Rarität hat das Coburg zur Verkostung beigesteuert: Einen Wein ohne Namen, ohne Etikette und Prüfnummer, von dem es lediglich 204 Flaschen gab. Zurückzuführen auf eine verlorene Wette der beiden Winzer FX Pichler und Franz Hirtzberger, die ihre besten Flaschen aus den Jahrgängen 1995,1997,1999 dazu cuvéetierten. Und zwar aus 96 Flaschen GV der unterschiedlichsten Lagen (darunter auch der "Honivogl"), 96 Flaschen RR (darunter auch der "Unendlich") und 12 Flaschen GB. Ein Wein, den man wohl kein zweites Mal zu trinken bekommt - eine echtes Erlebnis und geschmacklich eine Sensation.

Bei den Rotweinen trat der BF "Point" 2002 gegen die Cuvée "Steinzeiler" 2002 (BF/ZW/CS) aus der Magnum, beide vom WG Kollwentz aus Großhöflein an. Wobei sich der BF etwas milder, runder, süffiger zeigte. Und zum Schluss noch ein CS "Ungerbergen" 1999 vom WG Prieler aus Schützen und der "Solitaire" 1999 (CS/BF/ZW) von Feiler-Artinger aus Rust. Beide noch mit dominantem Tannin und mit einiger Lagerfähigkeit. Zwei Weine, symptomatisch für diese Verkostung: bei den Top-Österreichern liegt im Alter die Reife und die Kraft - und damit der wahre Genuss!

Text und Fotos: Christian Stöger 

Ordenswinzer / Ordensrestaurant