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Deutscher Wein holt auf

Weine aus 6 von 13 deutschen Weinanbaugebieten standen bei der Tafelrunde des Konventikels Eins am 21. 2. 2018 im Ordenskeller zur Verkostung. Dabei zeigte sich, dass vor allem bei den Rieslingen Deutschland in punkto Qualität und Preis durchaus mit österreichischen Spitzenweinen aus der Wachau oder dem Kremstal mithalten können. Weniger überzeugend waren hingegen die Roten. Schwarzriesling und Dunkelfeder sind typisch deutsche Rebsorten, die dem Geschmacksempfinden der Verkostungsrunde etwas weniger zusagten. 22 Weine, darunter 18 Weiße und vier Rote wurden verkostet, und es gab durchaus überraschende Erkenntnisse.

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Deutscher Wein - kann der was? Diese Frage stellten sich 20 Mitglieder des St. Urbanus Weinritter Ordenskollegiums vor der Verkostung. Um danach festzustellen: Ja, mancher schon!

Etwa 80.000 Winzer bauen in Deutschland auf etwa 102.000 Hektar (Stand 2012) Wein an und ernten dabei im Zehnjahresmittel pro Jahrgang durchschnittlich ca. 9,25 Millionen Hektoliter. Der Durchschnittsertrag liegt bei sehr hohen 90–100 Hektoliter/Hektar. 3,9 Millionen Hektoliter wurden exportiert, besonders in die USA (257.000 hl), in die Niederlande (217.000 hl) und nach Großbritannien (173.000 hl).

Das größte Anbaugebiet ist mit 26.516 Hektar Rheinhessen, gefolgt von der Pfalz mit 23.489 Hektar und Baden mit 15.815 Hektar (Stand 2012). Rheinhessen und Pfalz gehören zu Rheinland-Pfalz, dem Bundesland mit den meisten Weinbaugebieten und zwei Dritteln der deutschen Anbaufläche.

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Mit einem Wein aus Rheinhessen, mit 26.333 ha Rebfläche dem größten Anbaugebiet Deutschlands, ging der Abend los. Eingerahmt wird das Gebiet von der Nahe und dem geschwungenen Flußlauf des Rheins, zwischen Bingen, Alzey, Worms und Mainz. Und zwar mit dem Riesling Classic 2014 vom WG Fritsch aus Spendlingen. 12% Alkohol, leichter Petrolton, fruchtig-süßlich am Gaumen wie ein süßer, saftiger Apfel bestätigte dieser Wein das Vororteil, dass deutsche Weine meist lieblich, also für unseren Gaumen zu süß sind. Bis 9g RZ hat Weißwein in der EU die bezeichnung "trocken", in Österreich sind es aber realistisch nicht mehr als 6g. Wodurch unsere Weißen frischer und rescher schmecken. Das zeigte sich später auch bei der Riesling Spätlese trocken 2014 vom WG Jürgen Kissinger, bei dem mit 12,5% Alkohol die Restsüße ziemlich vordergründig war.

Ebenfalls aus Rheinhessen war der Grauburgunder 2014 vom Gustavhof der Fam. Rolf, ein Demeter Biowein mit 13%, mit milder Säure und Noten nach Ananas und Bananen, der ideale Begleiter zur Hauptspeise, einem gebratenen Wildschwein-Nacken unseres Ordensküchenmeisters Karl Schaffelner (siehe "Karl's Kulinarium" im Mitgliederbereich).  Die Weißweinsorten nehmen in Rheinhessen 69,2%, die Rotweinsorten 30,8%, und davon gab's einen Frühburgunder 2005 vom WG Hamm an der Burgkirche bei Bingen. Eine Auslese trocken mit 13,5%, mit typischem Burgunderstinkerl und leichtem, kurzem Abgang.

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Südlich von Rheinhessen beginnt die Pfalz - das zweite zu verkostende deutsche Weinbaugebiet des Abends. In einem einzigen Rebenmeer von 23.592 ha erstreckt sich die Pfalz über 80 km, von Worms bis an die Grenze zum Elsaß. Pfälzischer Wein war schon zur Römerzeit sehr begehrt, heute wird in der Pfalz ein Viertel aller Deutschen Weine erzeugt, von mild- süffig bis sehr würzig. Los ging's mit einem Riesling Kabinett Edition Dr. Pioth 2014 vom Winzerverein Forster. Die 9g RZ waren mit 7,8°/°° Säure gut eingebunden. 12,5% Alkohol, zarte Zitrusaromen und traubig-vollmundig am Gaumen war dieser Wein bemerkenswert. Ebenso der Riesling "Alte Reben" 2015 vom WG Markus Schneider mit 13%, schöner Apfel-Quittenfrucht und guter Restsüße. Oder der WIN WIN Riesling 2016 vom WG Winning, der bei 12% Alkohol durch ein sehr schönes Süße-Säurespiel bestach.

Der einzige SB des Abends kam ebenfalls aus der Pfalz, und zwar vom VDP-Prädikatsweingut Knipser in Laumersheim. 1876 gegründet geöang Volker und Werner Knipser mit diesem jahrgang 2014 einer der besten Sauvignons Deutschlands, ausgezeichnet auch mit "3 Trauben". Aromen von Holunderblüte, grünem Paprika und Stachelbeere, 11,6% Alkohol, 6,3 g RZ und 8,3°/°° Säure zeichnen diesen trockenen, fruchtbetonten SB aus. Die Flasche ziert übrigens das 1582 durch Erzherzog Ferdinand verliehene Familienwappen.

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Als nächstes ging's ins Weinbaugebiet Mosel, das  von der luxemburgischen Grenze, südlich von Trier, entlang der Mosel mit ihren Nebenflüssen durch reizvolle, tief eingeschnittene Täler, vorbei an den steilsten Weinbergslagen Europas, bis nach Koblenz am Rhein reicht. Hier ist das älteste Weinbaugebiet Deutschlands, mit Treir (Agusta Treverorum) befindet sich hier auch die älteste römische Stadt des Landes. Im größten Rieslinggebiet Deutschlands bewirtschaften 4.415 Weinbaubetriebe rund 8.792 ha bestockte Rebfläche. Rund 42 Prozent der Rebflächen (3.750 ha) zählen zu den weltberühmten Steillagen mit über 30 Prozent Steigung. Hier ist auch der steilste Weinberg der Welt, der Bremmer Calmont mit einer Hangneigung von 65%. Hier wächst auch in der Lage "Erdener Treppchen" der Riesling Spätlese trocken 2016 vom WG Schmitges. Wurzelechte Rieslingreben wachsen auf feinem grauen Tonschiefer. Selektive Handlese, 12 Stunden Maischestandzeit, Vergärung bei 18° im großen Holz und drei Monate auf der Feinhefe lassen diesen Wein mit 12% Alkohol, 6,5g RZ und 7,4 °/°° Säure zu einem echten Trinkgenuss werden - ein klassischer Riesling vollmundig und schön.

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Ebenfalls aus dem Steillagen der Mosel stammten der Riesling "Gonsdorfer Gans" 2014 vom WG Lubentiushof mit 11,5% und mostig, fruchtigem Apfelaroma, der Riesling 2010 vom WG Reichsrat von Kesselstatt mit schöner Frucht, Zitrusanklängen und feiner Mineralik bei ebenfalls 11,5%und die Riesling Spätlese "Wehlener Sonnenuhr" 2016 vom WG Kerpen mit nur 7,5% Alkohol, aber deutlicher Restsüße und dem Geschmack nach Marille und Ananas. Außergewöhnlich anders dann der Riesling "Marienburg" Falkenlage 2012 vom biodynamischen Weinbau Clemensbusch. Mit € 42,- ziemlich hochpreisig (die anderen Weine jeweils zwischen € 11.00 - 18.00) konnte er die Erwartungen in keinster Weise erfüllen. Herb, streng, in der Nase muffelig bei hohen 13,5% hatte dieser Wein am Verkostungsabend nur wenige Freunde. Elegant und schlank hingegen der Pinot Noir "Brauneberger Mandelgraben" 2013 vom WG Markus Molitor, mit € 27,- allerdings mit vergleichbaren österreichischen Weinen etwas überteuert.

Einen Wein gab's aus dem fränkischen Anbaugebiet (6.124 ha), das sich am Main und seinen Nebenflüssen entlang zieht. Zwischen Aschaffenburg und Schweinfurt bietet es eine Vielzahl kleiner Rebflächen. Jede für sich liefert einen Wein von ausgeprägter Eigenart, aber alle haben sie eines gemeinsam: den unverkennbaren Frankenwein-Charakter. Doch der Riesling "Innere Leiste" Erste Lage 2007 von der staatlichen Hofkellerei Würzburg war leider oxidiert und erinnerte mehr an einen Sherry als an einen Riesling.

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Schon Karl der Große hat im Rheingau, wie in Rheinhessen, den Weinanbau gefördert.  Und so gedeihen im Rheingau, zwischen Hochheim und Wicker am Main und Lorch am Rhein - auf einer Länge von nur 50 km - Weine auf einer Gesamtrebfläche von 3.167 ha, die Weltruf genießen. Wie etwa der Riesling Kabinett royal 2015 vom WG Prinz von Hessen mit 13% Alkohol, 7,7g RZ und 7,3°/°° Säure. Um nur € 15,- ein toller Wein mit fruchtigem Aroma nach Apfel, Zitrus, Marille, elegant, mineralisch. Aus 60 Jahre alten Reben gekeltert wird der Riesling Hochheimer 2015, Stielweg Erste Lage vom WG Künstler. Im Hoilzfass gereift, goldgelb, extraktreich, intensiv und druckvoll, für € 27,50 einer der besten Weine des Abends.

Und last but not least ging's noch ins Weinanbaugebiet Nahe. Das Gebiet liegt zwischen Mosel und Rhein. Sein östlicher Teil reicht bis zum Rheingau, im Süden grenzt es an Rheinhessen. Die Gesamtrebfläche beträgt 4.202 ha mit einem Rotweinanteil von 25%. Bei uns gab es dementsprechend zwei Weiße und zwei Rote zu verkosten. Und zwar den Riesling Kupfergrube Große Lage 2012 vom WG Schäfer-Fröhlich, einem der 16 Top-Weingüter Deutschlands, ausgezeichnet mit dert Höchstnote von 5 Sternen. Mit 13% Alkohol, einer schönen Petrolnote war dies ein klassischer, schöner Riesling, trocken, kräftig um € 49,- Mit vier Sternen ausgezeichnet das Schlossgut Diehl, von dem die Cuvée Victor (80% GB, 15% WB, 5% CH) stammte. Ausgebaut im großen und im kleinen Holz, nussig, dicht, nach Mandel und Kräutern schmeckend, € 45,- Beides sehr schöne, tolle Weine, die den Österreichvergleich nicht zu scheuen brauchen.

Und dann die beiden Roten vom WG Frick aus Nahe, und zwar der Schwarzriesling 2010 und der Dunkelfeder 2010. Ersterer ein Pinot Meunier, eine Mutation von Pinot noirs, bekannt seit dem 16. Jahrhundert in Frankreich und in Deutschland auch unter dem Namen "Müllerrebe", und so etwas wie der Urvater der Burgunderfamilie. Beim Dunkelfeder handelt es sich um eine Kreuzung zwischen Madeleine Angevine und der Färbertraube Anfang des 20. Jahrhunderts, wird aber aufgrund der sehr dunklen Farbe oft nur als Deckwein zur Farbunterstützung bei Cuvées verwendet. In ganz Deutschland werden nur 362 ha, also 0,4% der Rebfläche damit bestockt. Die Verkostung dieser beiden Roten um jeweils € 6,- ließ viele mit einem großen Fragezeichen zurück. Fazit: bei Weißweinen, speziell bei deutschen Rieslingen, kann man durchaus tolle Produkte bekommen. Hier hat Deutschland auf dem internationalen Markt deutlich aufgeholt, weg von den süß-lieblichen Tropfen hin zu schlanken, eleganten und geschmacklich tollen Weinen. Bei den verkosteten Rotweinen waren sich alle einig, dass man deswegen nicht nach Deutschland auszuweichen braucht.

Text und Fotos: Christian Stöger

 

 

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